ANZAC Biscuits oder: der patriotische Keks

wpid-titel_20140320_ANZAC.jpg


ANZAC – das Kürzel bezeichnet nicht etwa einen großen Kekshersteller und ist auch nicht der Name einer hippen neue Hardrock-Band. Nein, es steht für Australian and New Zealand Army Corps. Armee-Kekse also. Hm. Das klingt eher nach eiserner Ration als nach Gebäck, das man seines Geschmackes wegen essen würde. Stimmt aber (meistens) nicht, denn dieser Keks wird traditionell mit besonders viel Liebe gebacken.

Meine erste Begegnung damit hatte ich im Mai 2010. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich eine Gourmet-Radtour durch Christchurch gebucht hatte. Damals ahnte die Gartenstadt noch nichts von den Erdbeben, die sie im September 2010 und im Februar 2011 schwer beschädigen würden. Zur Begrüßung hatten mir Stephanie und Jackie, meine „Christchurch Bike Tours“-Guides, selbstgebackene ANZAC Biscuit mitgebracht. Köstlich waren die: mürbe, zart knusprig und dezent süß. „Den haben unsere Urgroßmütter erfunden, als ihre Männer während des ersten Weltkriegs nach Europa mussten“, erzählt mir Stephanie. „Damals brauchte die Post Monate ans andere Ende der Welt, also mussten sie sich etwas einfallen lassen, das so lange frisch bleibt.“

Die cleveren Ehefrauen, Mütter und Verlobten buken also aus Mehl, Zucker, Haferflocken, Zuckerrübensirup, Butter und Kokosraspeln jene flachen, runden und sehr gehaltvollen Happen, um ihren Männern die Essensration aufzubessern. Das Rezept wird seitdem von jeder Oma oder Mutter an die Töchter weitergegeben. Und genauso lang zanken sich Australier und Neuseeländer bereits darum, wer denn die pfiffige Keks-Idee hatte: In beiden Ländern gilt der ANZAC-Biscuit als landestypisch.

In einem Supermarkt entdecke ich „The Authentic ANZAC Biscuit“. Ich erinnere mich an die leckeren Kekse von Stephanie und greife zu. Die Zutaten sind auch identisch, aber diese Exemplare sind viel dicker und sehr fest. Dass sie beim Hineinbeißen nicht in tausend Brösel zerfallen, liegt vermutlich nur an den Unmengen Sirup, die sie zusammenklebenü. Den Co-Jäger erinnern sie an zu trocken und flach geratene Makronen. Zum Glück habe ich mir kürzlich ein altes neuseeländisches Koch- und Backbuch gekauft, so dass ich bald versuchen kann, etwas so Gutes wie Stephanie zu backen. Folgendes Rezept steht darin:

ANZAC Biscuits

1 Tasse* Haferflocken
1 Tasse* Mehl
115 g Butter und 1 TL Zuckerrübensirup (miteinander verschmolzen)
1 Tasse* Zucker
1 Tasse* Kokosraspel
1 TL Backpulver
Das Backpulver in 2 TL Wasser auflösen und mit den restlichen Zutaten vermischen. Kleine Portionen abteilen, daraus ein Bällchen rollen und dieses mit der Hand flachdrücken. Auf mittlerer Temperatur im Ofen goldbraun backen.

*Laut Backbuch entspricht 1 breakfastcup = 230 g, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Haferflocken, Mehl, Zucker und Kokosraspel bei gleichem Volumen exakt gleich viel wiegen, also vielleicht lieber mit einer Kaffee- oder Teetasse abmessen.

>> Jäger des verlorenen Schmatzes auf facebook folgen!

Schreibe einen Kommentar