Dunedin: Eine Tour durchs Schokoladenparadies

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Von der Führung durch die Cadbury Schokoladenfabrik hatte ich mir so etwas wie eine Live-„Sendung mit der Maus“ erhofft. Ich wusste zwar ungefähr, wo Kakaobohnen herkommen und wie daraus Schokolade gemacht wird, aber wollte es gerne einmal mit eigenen Augen sehen. Und natürlich habe ich auf ein paar Kostproben spekuliert. Letztere gab es, sogar für unser Baby (was nur fair ist, sie musste auch Eintritt zahlen). Zum Glück vor allem in Form von Schokoriegeln, die wir mitnehmen konnten, denn natürlich bekommt unsere Kleine noch keinen Süßkram. Aber den für mich interessantesten Teil, nämlich die Herstellung und Verarbeitung, bekamen wir nur auf Schautafeln und per Video zu sehen. Mit Ausnahme jener beinahe schon historischen Maschine, die DIE Schokoladenknöpfe ausspuckte. „Aaaaah!“ machten die Kiwis, Ozzis und Briten in der Gruppe, nur auf meinem Gesicht fehlte das leuchtende Wiedererkennen, da ich mit Milka und Ritter Sport aufgewachsen bin.

Klar, wenn da jede halbe Stunde eine 20-Mann-Tourigruppe durch die Fabrik latscht, hält das den Betrieb auf und das will man verständlicherweise in Grenzen halten. Trotzdem war ich ein bisschen enttäuscht, dass wir vor allem die Bereiche zu sehen bekamen, in denen es ums Verpacken der fertigen Produkte ging. Und das, obwohl wir alle brav unsere Haarnetze trugen (nur unser Baby riss es sich natürlich sofort herunter). Die Bartträger, selbst die einfach nur nachlässig Rasierten, mussten sich sogar eines um die Mundpartie schnallen.

Spannend war die Führung trotzdem, vor allem aus soziologischer Sicht: Was tun Menschen alles für Schokolade? Zum Beispiel: Selbst dröge gemachten, mit völlig überflüssiger Musik unterlegten Videos aufmerksam lauschen. Denn der eine oder andere fun fact wurde später von unserem Guide abgefragt und wer zuerst die richtige Antwort herausschrie, bekam was zu Naschen. Am eifrigsten bei der Sache waren übrigens nicht die Kinder in der Gruppe, sondern die älteren Herrschaften.

Der Höhepunkt der Führung ist der Schokoladen-Wasserfall, der durch ein 28 Meter hohes Silo rauscht. Wir, das Publikum, standen ganz oben im Silo auf einer Art Galerie im Halbkreis um das große Rohr herum, das flüssige Schokolade in den Abgrund zu speien begann, sobald unser Guide das entsprechende Knöpfchen drückte. Der Halbkreis ist wichtig, denn in diesem Moment wird (ohne dass man davon weiß) auch ein Foto der Gruppe gemacht, das man nachher im Shop kaufen kann. Damit man für immer an seinen Gesichtsausdruck im Angesicht von einer Tonne flüssiger Schokolade erinnert wird.

Einer der Schokojunkies hatte sich scheinbar reflexhaft nach vorne gelehnt, als das braune Getöse losging, und leckte anschließend mit glücklichem Gesichtsausdruck ein paar Tropfen von seinem Arm. Allerdings nur so lange, bis unser Guide erklärte, dass die Schokolade bereits seit Juni immer wieder durch das Rohr rauscht. Und garantiert anschließend niemals für irgendein Cadbury-Produkt verwendet wird. Ich war leider viel zu beschäftigt damit, die Ohren unseres Babys zuzuhalten, um nachzufragen, was denn sonst damit passiert. Hat jemand eine Idee?

Das Foto oben zeigt die Schokoladenausbeute der Tour von uns dreien. Das kleine Schokobonbon bekamen wir für die richtige Antwort auf „Was ist die Hauptstadt von Deutschland“, die unser mitleidiger Guide noch ganz zum Schluss stellte, damit wir auch ein Erfolgserlebnis haben. Ich mag ja Cadbury Schokolade und erinnere mich noch genau an die tolle Kombination mit Orangengeschmack in Form einer bereits in Schnitze zerlegten Orange, die ich etwa 14-jährig beim Schüleraustausch in England entdeckte. Aber die Füllung mit Marshmallow oder „Karamel“ (der nicht knuspert und auf der Zunge zergeht, sondern an ein Scheibchen Schaumstoff erinnert) oder gar mit beidem („Pinky – 50% LESS FAT!“) ist leider gar nicht mein Fall.

Cadbury World
280 Cumberland Street, Dunedin, Tel. 0800 – 4 CHOC TOUR (0800 – 4 2462 8687), cadburyworld@cadbury.co.nz, www.cadburyworld.co.nz
Touren durch die Fabrik gibt es nur Mo-Fr, sie dauern 75 Minuten. Sa, So und an Feiertagen ist die Fabrik geschlossen, dann dauert die Tour nur 45 Minuten und kostet auch weniger. Kostproben bekommt man in jedem Fall.

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