Kulinarischer Brandenburg-Ausflug: Kraniche und Ziegenkäse

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Das Ausflugsziel im Kurzcheck:

Erreichbarkeit ab Berlin? Auto ca. 1h; per Bahn bis Bhf Nauen (ca. 40 min) und dann 17 km mit dem Rad
Kindertauglich? Sandkasten und Spielzeug, Trampolin, Strohballenburg, Tiere auf der Koppel und im Stall
Gläserne Produktion/Hof? Blick in den Stall und Spaziergang zur Koppel möglich
Hofladen? Ja
Gastronomie? Ja
Übernachtungsmöglichkeit? Mit Camper/Wohnwagen und Landvergnügen-Vignette
Lässt sich verbinden mit …? Einkauf und/oder „Bauerngolf“-Ralley auf dem Ökohof Kuhhorst; Besuch des Storchendorfes Linum; im September/Oktober Kürbisse bestaunen und kaufen auf Rixmanns Hof in Linum.

Was haben Kraniche und Bären gemeinsam? Sie verursachen Verkehrsstaus und treiben Touristen dazu, sich äußerst merkwürdig zu verhalten … In den kanadischen Rocky Mountains gibt es in jedem Sommer wieder ein paar Irre, die mit der Kamera vor dem Gesicht einem Schwarzbären oder Grizzly auf die Pelle rücken. Nur weil das Tier ganz vertieft darin ist, sich den nötigen Winterspeck anzufuttern, und das zufälligerweise gerade in den Büschen direkt neben der Landstraße tut, ist er noch lange nicht harmlos. Kraniche sind das zum Glück schon, sie flüchten lieber, wenn man sich ihnen auf mehr als 200 Meter nähert.

Trotzdem hatten wir ein Déjà-Vu, das uns sehr zum Schmunzeln brachte, als wir letztes Wochenende in der Gegend um Linum unterwegs waren. Immer wieder ballten sich am Rand der Landstraße hastig geparkte Autos und daneben starrten Menschen durch Ferngläser auf Kraniche. Wobei: Kraniche waren eigentlich überall. Auf den Feldern. Am Himmel. Ihr Trompeten (Oder Krähen? Gurrendes Krächzen? Schrilles Rufen?) in unseren Ohren. Ich mag das Geräusch ja sehr gern. Es klingt irgendwie urzeitlich und weckt gleichzeitig eine leise Wehmut, weil der Herbst da ist und der Winter schon fast vor der Tür steht.

Was ich bisher nicht wusste:

Kraniche können auch nachts ihren Schnabel nicht halten. Das haben wir erst gemerkt, als wir auf dem Karolinenhof, einer Ziegenkäserei nahe Linum, campten, die zum „Landvergnügen„-Netzwerk gehört. Das waren aber auch die einzigen Geräusche. Ansonsten war es – wieder – herrlich still. Gegen halb sieben waren die letzten Gäste vom Hof gerollt, die den Tag über die Käsetheke, das Café mit seinem schönen Wintergarten und großen Außenbereich (mit Sandkiste und hinten, bei der Koppel mit Pony und Esel, einem Trampolin und einer Tobeecke mit Strohballen und Schaukelseil) belagert hatten. Die Mitarbeiterinnen flitzten mit Milchkaffees, Kuchen und warmen Essen beladen zwischen den Picknickbänken draußen umher und schafften es, dabei nicht über Bobbycars und Dreikäsehochs zu stürzen.

Seit rund 20 Jahren wird der Karolinenhof als Ziegenhof bewirtschaftet und zu seinen Qualitäten als Ausflugsziel (mit und ohne Kind) kommt noch das wirklich gute Essen, übrigens alles bio. Wir haben wieder den Ziegenkäsekuchen probiert, der köstlich war (von der Konsistenz allerdings etwas krümeliger als in Zollbrücke – vielleicht wurde er mit Ricotta statt Quark gebacken?). Und wir haben an der Käsetheke zugeschlagen: Frischkäsekügelchen, die in Kräutern, buntem Pfeffer oder Chiliflöckchen gewälzt waren; ein sehr frischer Kräuterquark, den wir direkt beim Frühstück verputzten; und ein sehr intensiv schmeckender Rohmilchhartkäse. Das Frühstück und das warme Essen im Café haben wir nur auf Tabletts an uns vorbei fliegen sehen, aber es sah verdammt gut aus.

Wer am frühen Morgen auf dem Hof ist, kann dabei zuschauen, wie etwa 100 Ziegen in einer langen, bunten Karawane aus dem großen Stall auf die riesige Weide zockeln. Am Abend wiederholt sich das Schauspiel in die Gegenrichtung. Im Januar und Februar kommen die Zicklein zur Welt – aber dann hat leider auch das Café Ruhepause, denn in dieser Zeit kann nicht gemolken werden.

Karolinenhof 1, 16766 Flatow / Kremmen, Tel. 033922/ 60190, www.ziegenkaeserei-karolinenhof.de

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