Taupo: Prawnographie am Huka River


Angeln ist DAS Ding in Taupo, der Forellenhauptstadt Neuseelands. Im Lake Taupo, der so tief ist, dass man die Freiheitsstatue hineinstellen könnte, ohne dass ihre emporgereckte Fackel aus dem Wasser ragt, findet die aus Europa mitgebrachte Fischart derart perfekte Lebensbedingungen, dass sie sich fleißig vermehrt und Exemplare von beeindruckender Größe hervorbringt. Auch aus den umliegenden Seen und Flüssen kann man Forellen ziehen, die das Zeug zur „Trophäe“ haben. Doch, so stand das dort auf einem Schild. In meine Sprache übersetzt heißt das soviel wie: Reicht für sechs oder acht gute Esser.

Schon während ich sie im National Trout Centre in ihrem natürlichen Lebensraum in action beobachtete – dort wurde eine Panzerglasscheibe so in den Fluss gebaut, dass man wie in ein Aquarium unter die Wasseroberfläche schauen kann – malte ich mir bereits aus, wie ich unseren Fang später zubereiten würde. Als ich 2010 in Taupo war, haben wir bei einem Angel-Cruise auf dem See eine fast armlange Regenbogenforelle herausgeholt und ihr lachsfarbenes (!) Fleisch direkt roh als Sashimi verputzt. Dieses Mal haben wir unser Glück mit unserer eigenen Angel an dem kleinen, wunderschön gelegenen Lake Otamangakau versucht, in dem es laut dem netten Menschen vom Trout Centre riiiiiiieeeeeesige Fische geben soll. Vorher noch schnell eine Tageslizenz und den passenden Angelhaken samt metallenem Köder im Angelshop besorgt und mir ein paar Anfängertipps geben lassen. Die Forellen sprangen dann auch munter ganz in Ufernähe, wo wir mit unserer verhedderten Angelschnur kämpften – nur leider nicht an unseren Haken.

In Taupo kann man aber nicht nur Fische angeln, sondern auch Shrimps. Genauer gesagt: im Huka Prawn Park, der direkt an den Huka River gebaut wurde. Wahrscheinlich dachte man sich: Mit dem Kescher rausholen kann ja jeder! Vor allem, wenn es sich um ein Zuchtbecken handelt, in dem es vor Shrimps nur so wimmelt. So aber zahlen Touristen $26 dafür, dass sie dort die Angel reinhalten dürfen. Obwohl es als Riesenspaß für Kinder verkauft wird, sehe ich fast nur Pärchen unter den Sonnenschirmen sitzen, welche malerisch auf den Angelstegen verteilt wurden. Ist Angeln das neue Romantikding? Oder hat ER zu IHR gesagt: Okay, ich gehe mit Dir ins Spa, Du kriegst Deine Partnermassage und den Champagner in der Badewanne und von mir aus auch das Rosenblätter-auf-dem-Badewasser-und-ringsum-Teelichter-Gedöns – aber nur, wenn Du dann auch mit mir Angeln gehst?

Wir hatten von dem Prawn Park gehört, der direkt am Huka River liegt, mit Blick auf die vorbeiflitzenden, sich immer wieder wild um die eigene Achse drehenden Jetboote. Beheizt werden die Zuchtbecken mit Thermalenergie (gleich neben der Farm verschwinden riesige Rohre im Boden und es dampft und raucht beeindruckend). Riesengarnelen, das klang lecker. Nur wollten wir dieses Mal sicher gehen, dass statt der ausgemalten BBQ-Forelle (bzw. in diesem Fall Shrimps) nicht wieder nur Beilagen auf unseren Tellern liegen. Daher haben wir einfach im Park-Restaurant eine Portion Prawns mit Alioli und süßer Chilisauce bestellt ($49,50 für 500g) und dazu Fritten ($6,50). Leider war die Chilisauce eher süß als scharf, der Alioli hätte mehr Mut zum Knoblauch gut getan und das Fleisch der Shrimps war uns ein bisschen zu fest und trocken. Nur bei den Pommes stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Auf einem Schild am Restauranteingang lasen wir, dass dort gerade erst ein Gavin aus Rotorua ein 46,5 Zentimeter großes Exemplar geangelt hat. Das wog wahrscheinlich alleine schon 500 Gramm. „Unsere Gäste bekommen von uns Ochsenherz als Köder“, erklärte uns dann unsere Kellnerin und verriet uns noch einen Trick: „Man darf die Angel nicht sofort einholen, wenn man spürt, dass etwas daran knabbert. Gebt den Prawns ein bisschen Zeit und dann beißen sie sich von alleine am Haken fest.“ Vielleicht hätten wir doch unser Glück versuchen sollen? Im Preis inbegriffen ist nicht nur alles, was man an dem Tag angelt, sondern auch ein Rundgang durch die Zuchtanlage, bei dem man die Baby-Shrimps füttern darf. Fingerlange, durchsichtig-graue Krabbeltierchen, die sich die Futterkörner direkt von der ins Wasser getauchten Hand herunterholen. Wie süüüüüß.

www.hukaprawnpark.co.nz

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