Aussie Bay: Überraschungs-Festmahl mit Ausblick

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Es sind überraschende Erlebnisse wie diese, die ich beim Reisen liebe. Uns stand eine kurze Nacht bevor, weil wir am nächsten Morgen um 7 an der Fähre sein mussten, um nach Wellington, auf die Nordinsel, überzusetzen. Wir kamen von Nelson und wollten morgens, vor dem Check-In, nur noch möglichst kurz fahren müssen. Fest stand für uns trotzdem, dass wir die scenic route nehmen wollen, den Queen Charlotte Drive – eine Landstraße, die ihren wunderschönen Namen völlig zu Recht trägt, denn sie mäandert an einem Arm des Marlborough Sounds entlang. Fest stand für uns auch: Wir wollen nicht auf einem Holiday Park in Picton, wo der Hafen ist, übernachten.

Damit hatten sich unsere Optionen so ziemlich erschöpft. Wir mussten nehmen, was übrig blieb. Ein Blick auf die Karte zeigte: Da gibt es einen kleinen DoC-Campingplatz direkt am Queen Charlotte Drive, gerade mal 15 Kilometer von Picton entfernt. Er hat aber nur sechs Stellplätze, heißt: bloß nicht zu spät ankommen, um noch einen zu ergattern. Sonstige Erwartungen – hatten wir keine.

Aussie Bay präsentierte sich uns dann als entzückende kleine Bucht, an deren Ufer wir einen Stellplatz mit Schatten und Wahnsinnsausblick über den Sound fanden. Perfekt. Das Wasser war so flach und von der Sonne gewärmt, dass ich sogar eine Runde schwimmen ging (Mitte November!). Und es wurde noch perfekter als die Ebbe einsetzte.

Da beobachteten wir nämlich, wie das Ehepaar im Nachbarcamper mit einem Eimer in der Hand auf einen großen Baum zu watete, der  umgestürzt, etwa 20 Meter vom Ufer entfernt im inzwischen sehr flachen Wasser lag. Dort begannen sie, irgend etwas von den Ästen zu pflücken. Miesmuscheln, wie sich herausstellte.

Kaum hatten die beiden uns ihre Ernte gezeigt, bekamen wir schlagartig Appetit auf Miesmuscheln in einem Weißweinsößchen. Ich schnappte mir eine Tüte, krempelte die Hosenbeine hoch und zog los. Als ich näher kam, erkannte ich, dass der ziemlich große Baum über und über von Muscheln bedeckt war. Sowas hatte ich noch nie gesehen. Vorsichtig machte ich mich daran, einige größere Exemplare zu pflücken, ohne die dazwischen wachsenden Babymuscheln mit herunter zu reißen. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich eine üppige Portion zusammen.

Die kleine, vor unserem Camper spielende Co-Jägerin war begeistert, als ich mich mit der Ausbeute zu ihr auf den Boden setzte, schnappte sich sofort eine Muschel und untersuchte sie ganz genau. Ich putzte derweil den Rest, was leider etwas mühsamer war als man das von Supermarktware kennt, denn die Biester hatten Grünzeug vom Baum zwischen ihren Schalen klemmen und das wollten wir natürlich nicht im Essen haben. Der Co-Jäger schnippelte ein paar Zwiebeln und Möhren in kleine Würfelchen, die wir kurz anbrieten, mit Weißwein und etwas Brühe ablöschten und darin ganz kurz die Muscheln garten. Weil wir gerade aus Nelson kamen, hatten wir sogar gutes Brot zum Stippen in unserer Buskombüse.

Und dann genossen wir unser Überraschungs-Festmahl.

Ich weiß nicht, ob es an der absoluten Frische der Muscheln lag oder am Sauvignon Blanc, den ich zum Kochen verwendete. Vielleicht war es auch der Ausblick, den wir beim Essen genossen, untermalt vom Plätschern der Wellen und Vogelgesang. Auf jeden Fall waren diese ersten selbst gesammelten neuseeländischen Muscheln die besten, die wir je gegessen haben.

Und wie wir da gerade beim Essen saßen, rollte noch eine kleine deutsche Familie auf den Campground. Vom Duft des Essens oder vielleicht auch von unserem genießerischen Gebrumm angelockt, schauten sie neugierig in unseren Topf. „Die Muscheln gibt es da vorne“, erklärten wir schmunzelnd. „Und ein bisschen Wein hätten wir für euch auch noch übrig …“ An diesem Tag hat die Aussie Bay einige Menschen sehr glücklich gemacht.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lecker!! Wisst ihr, was wir auf einer DOC-Campsite in den Marlborough Sounds gegessen haben? Frische Austern… Direkt aus dem Meer. Jamm!

    LG
    Jenny

  2. Wow! Verrätst Du auf welchem? Es gäbe auch Platz für einen Gastbeitrag im Blog … 😉

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