Fünf Jahre nach dem großen Beben: unser Foodie-Guide für Christchurch

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Genau fünf Jahre ist es jetzt her, dass eine Naturkatastrophe Neuseelands zweitgrößte Stadt für immer veränderte: Am 22. Februar 2011 um die Mittagszeit bebte die Erde mit einer Stärke von 6,3. Das Epizentrum lag in nur 5 Kilometern Tiefe und beinahe direkt unterhalb der benachbarten Hafenstadt Lyttleton. Dieses Beben kostete 185 Menschen das Leben. Es ließ Christchurchs berühmte Kathedrale einstürzen und beschädigte 377 historische Gebäude. Es riss Straßen auseinander, entwurzelte Bäume und machte über 6000 Häuser unbewohnbar.

Fünf Jahre später ist Christchurch die womöglich spannendste Stadt des Landes. Statt gepflegter Langeweile (wie bei unseren ersten Besuchen) haben wir eine kreative Aufbruchstimmung gespürt, als wir 2014 für einige Wochen dort wohnten.

Auf den Schock und die unzähligen Nachbeben reagierte die Stadt mit einer bemerkenswerten „Jetzt erst recht!“-Haltung, und seitdem entsteht in den Lücken, die das Beben riss, viel Neues. Die architektonisch beeindruckende Pappkathedrale etwa, der soeben eröffnete moderne Busbahnhof oder auch die improvisierten Events, die Gapfiller, eine Gruppe von Künstlern und Studenten, veranstaltet. Zugleich nutzt Christchurch den Wiederaufbau als Labor für grüne und nachhaltige Architektur. Außerdem rücken die Stadtplaner den Avon River in den Fokus: Gerade entstehen im Herzen der Stadt, wo bislang eine Hauptverkehrsstraße am Fluss entlang führte, Terrassen, eine Fußgängerzone und Cafés. In der Red Zone, in dem die zu stark beschädigten und inzwischen weitgehend abgerissenen Häuser standen, sind tausende von Obstbäumen zurück geblieben, die im Herbst von Guerillagärtern abgeerntet werden. Es gibt bereits Pläne, diesen quer durch die Stadt verlaufenden Streifen systematisch zu begrünen und zu einem „essbaren Naturschutzgebiet“ zu machen.

Aber auch das, was die Kritiker sagen, stimmt: Es gibt noch viele Baustellen und Brachen in Christchurch. Auf den ersten Blick kann die Gartenstadt, gerade im schwer beschädigten Zentrum, durchaus deprimierend wirken, vor allem wenn man gerade mit einem fetten Jetlag vom anderen Ende des Globus angekommen ist.

Wir haben deshalb ein paar Tipps für euch, was es alles zu entdecken gibt!

Riccarton Farmers‘ Market
Der ideale Ort, um anzukommen und sich unter die Einheimischen zu mischen, die hier am Samstag Vormittag gerne einkaufen und brunchen. Der womöglich schönste Wochenmarkt des Landes findet auf dem Grundstück des historischen Riccarton House statt. Neben frischem Obst und Gemüse bekommt man Delikatessen aus Neuseeland und der ganzen Welt. Zum Verdauen kann man durch den Riccarton Bush spazieren, ein umzäuntes Stück Wald aus der Zeit, bevor Neuseeland von den Europäern besiedelt wurde. Mehr über den Markt haben wir hier geschrieben.

Gourmet Bike Tour
Christchurch lässt sich toll per Rad erkunden – und noch besser mit einem einheimischen Guide. Wir haben die 4-stündige kulinarische Tour sehr genossen, es gibt aber auch eine Tour, die den Wiederaufbau im Fokus hat, sowie einen geführten Spaziergang. Grüßt bitte Jacky von uns, wenn ihr mit ihr unterwegs seid 🙂
www.chchbiketours.co.nz

Canterbury Cheesemongers
Die Milchindustrie macht etwa ein Viertel des neuseeländischen BIP aus – und trotzdem braucht man fast schon detektivisches Gespür, um in Godzone richtig guten Käse aufzutreiben. Die Cheesemongers nehmen uns diese Aufgabe ab. Und sie lassen die von den besten Käsemachern des Landes hergestellten Laibe so lange reifen oder verfeinern sie sogar noch, bis sie absolut perfekt schmecken. Eine kleine Auswahl selbst gebackener (erstklassiger!) Brote, Kuchen, Pasteten und Pies rundet das Angebot ab. Natürlich bekommt man dort auch eine 1a Käsestulle.
The Arts Centre, 301 Montreal St, www.cheesemongers.co.nz

The Tannery
Ja, die Re:Start Mall mit ihren Schiffscontainern mitten im zerstörten Stadtzentrum sollte man gesehen haben. Aber wenn ihr Lust auf Shoppen habt (zum Beispiel bevor ihr nach Hause fliegt), besucht doch mal The Tannery. Im Stadtteil Woolston wurde ein alter Industriekomplex in ein sehr hübsch gemachtes Einkaufszentrum mit lichtdurchfluteten Arkaden und vielen kleinen individuellen Lädchen umgewandelt. Das Beste ist natürlich der Brauerei-Pub, in dem man erstklassiges Bier vom Fass und warmes Essen bekommt, dazu gibt es abends oft Livemusik.
http://thetannery.co.nz

C4 Kaffeerösterei
C4 Coffee ist eine Institution und hat sein Headquarter immer noch in Christchurch (nach dem Beben mussten sie innerhalb der Stadt umziehen). Hier werden Bohnen aus den besten Anbaugebieten der Welt auf den Punkt genau geröstet, wer möchte kann dabei zuschauen und über Kaffee fachsimpeln. Man kann natürlich auch einfach einen Flat White oder Short Black trinken. Bevor wir auf unseren sechsmonatigen Roadtrip aufgebrochen sind, haben wir uns dort erstmal eine Espressokanne für unseren Camper gekauft.
278 Tuam Street, http://c4coffee.co.nz

Vic’s Café
Das Essen hier ist so gut und dabei günstig, dass der Laden jeden Tag brummt. Das ist aber nicht der Grund für unsere Empfehlung, denn von dieser Sorte Café gibt es in Neuseeland erfreulicherweise sehr viele. Vic’s ist auch eine Bäckerei, die eine ganze Reihe european style breads backt. Unser Tipp: Deckt euch ein, bevor ihr euren Roadtrip beginnt! Gutes Sauerteigbrot hält sich locker eine Woche… Also vermutlich länger als ihr braucht, um es zu verputzen.
132 Victoria Street, www.vicscafe.co.nz

The Fudge Cottage
Diesen letzten Tipp haben wir nicht selbst ausprobiert, sondern auch nur empfohlen bekommen. Es klingt aber wirklich gut, zumindest wenn man auf Süßes steht: Hier wird Fudge (also Buttertoffee) in allerlei Geschmacksrichtungen – Manukahonig, Hokey Pokey, Ingwer, Schoko,… – aus den besten Zutaten von Hand hergestellt. Bei der kitchen tour darf man den Köchen über die Schulter schauen und die noch warmen Bonschen kosten.
Bishopdale Mall, Harewood Road Ecke Farrington Ave, http://fudgecottage.co.nz

Zahlen & Fakten rund um die Erdbeben in Christchurch und den Wiederaufbau:

  • Ein Erdbeben der Stärke 7,1 ließ Christchurch und die gesamte Südinsel am frühen Morgen des 4. September 2010 für ganze 40 Sekunden erzittern. Trotzdem richtete dieses erste große Beben verhältnismäßig wenig Schaden an und es wurden nur zwei Menschen leicht verletzt. Es folgte Nachbeben um Nachbeben, davon über 20 mit einer Stärke von 5 und mehr (auf www.christchurchquakemap.co.nz gibt es dazu eine eindrucksvolle Animation). Als DAS Beben, das alles veränderte, gilt in der kollektiven Erinnerung jenes vom 22. Februar 2011.
  • Am Valentinstag 2016, nur wenige Tage bevor Christchurch der Ereignisse vor fünf Jahren gedenken wollte, rüttelte ein Beben der Stärke 5,7 die Stadt auf. „Es ist noch nicht vorbei“, kommentierten Einwohner. In Sumner, einem benachbarten Küstenort, brach ein Stück der Klippe ab.
  • Die Entwürfe der Gedenkmauer und alle weitere geplanten Umbauten der Stadt kann man sich online hier anschauen und in der Quake City Ausstellung.
  • Wie sieht die Stadt heute aus? Eine Reporterin nimmt uns mit auf einen halbstündigen virtuellen Spaziergang durch Christchurch.
  • Aktuell hat die Stadt rund 362.000 Einwohner, knapp 4% weniger als vor den Erdbeben. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,5 % (Neuseeland gesamt: 5,7%). 22.240 Menschen arbeiten derzeit in Christchurch in der Baubranche. 167.613 durch die Erdbeben beschädigte Gebäude wurden CERA (Canterbury Earthquake Recovery Authority) seit September 2010 gemeldet. Im selben Zeitraum wurden 19.528 Neubauten bewilligt.
  • Rund 700 Restaurants, Bars und Cafés gibt es in Christchurch, davon wurden alleine 50 im letzten Jahr eröffnet! Einige Empfehlungen finden sich auf der Seite von Christchurch Tourism.

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