Madrid mit Kind: Tipps für einen entspannten (kulinarischen) Kurztrip

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Die kleine Co-Jägerin und ich waren für ein langes Wochenende in Madrid. Eine wuselige spanische Großstadt alleine mit einer Dreijährigen – kann das Spaß machen? Und wie!

Dieser Blogpost richtet sich an alle Eltern, die sich unter einem Städtetrip mit Kind etwas anderes vorstellen als das Abklappern von Spielplätzen, Vergnügungsparks und anderen „kinderfreundlichen Attraktionen“, die man genauso gut zuhause besuchen könnte. Meine Vorstellung von einem Kurzrip in die spanische Hauptstadt ist eher: Orte besuchen, an denen man auch Madrilenen (mit ihren Kindern) trifft. Ein bisschen was vom echten Spanien kennenlernen. Und bloß nicht zu viele Programmpunkte… Ein Must-See nach dem anderen abzuklappern, fand ich schon anstrengend als ich noch kinderlos war.

Anreise: Der Weg ist das Ziel

Wir sind nach Madrid-Bajaras geflogen und mit dem gelben Airport-Expressbus in die Stadt reingefahren. Der Bus ist nicht zu verfehlen, wenn man aus dem Flughafengebäude tritt. Er fährt etwa alle 10 Minuten und kostet 5 Euro, Kinder unter drei Jahren zahlen nichts. Der Bus hat nur drei Stopps, wir sind am 2. ausgestiegen („Cibeles“) und dann von derselben Haltestelle noch drei Stationen mit dem Stadtbus Nr. 51 bis „Puerta del Sol“ (auch einfach „Sol“ genannt) weitergefahren, neben der Plaza Mayor DER zentrale Platz in Madrid. Von dort aus sind wir ganz gemütlich die etwa zwei Kilometer zu unserem Apartment in La Latina gelaufen. Wir hätten vom Flughafen aus auch mit der U-Bahn bis fast vor die Tür unseres Apartments fahren können, aber wenn ich irgendwo ankomme, mag ich es gerne, mich erstmal zu Fuß zu orientieren. Und für meine kleine Begleiterin war es nach der doch recht langen Anreise allerhöchste Zeit, dass sie ein bisschen laufen, hüpfen und klettern konnte. Das ging auch mit Handgepäck-Rollkoffer im Schlepptau prima.
Auf unserem Spaziergang haben wir (ganz ohne vorherige Planung)
… einem Straßenmusiker zugehört, der auf seiner Gitarre spanische Klassiker spielte
… Churros con chocolate gegessen
… ein Flamencokleid für die kleine Co-Jägerin gekauft
… das preisgekrönte Nachbarschaftsprojekt „Campo de la Cebada“ entdeckt

Plaza de España in Madrid

Plaza de España in Madrid

Unterkunft: Wohnen wie ein Spanier

Ich habe mich für ein AirBnB-Apartment entschieden, weil ich es mag, im Urlaub so wohnen zu können wie die Einheimischen. Im Idealfall lerne ich dadurch auch noch nette Menschen kennen. In Madrid hatten wir dieses Glück: Unsere Gastgeberin María* vermietet ein Zimmer in ihrer gemütlichen, zentral gelegenen und trotzdem ruhigen Wohnung, hatte viele Tipps für uns und einen fünfjährigen Sohn, der sich sofort mit der kleinen Co-Jägerin anfreundete und all sein Spielzeug mit ihr teilte. Ein wichtiger Tipp für alle, die nachts gerne ein paar erholsame Stunden auf einer guten Matratze verbringen: Erkundigt euch vor der Buchung, ob eure Unterkunft (egal ob AirBnB, Hostel oder Hotel) mitten im Partyviertel liegt. Die Kondition der Spanier ist legendär.
*Wenn ihr euch entscheidet, eine Übernachtung in Madrid über AirBnB zu buchen, dann tut das doch über diesen Link. Ihr bekommt dann 30 Euro Rabatt von AirBnB geschenkt und wir erhalten automatisch ein Guthaben in der gleichen Höhe.

Essen gehen in Spanien: Was man vorher wissen sollte

Spanien liegt zwar in der gleichen Zeitzone wie Deutschland, man hat aber trotzdem ein gewisses Jetlag-Phänomen. In Spanien passiert nämlich alles etwa 2 Stunden später – und das kann eine verdammt lange Zeit sein, wenn man mit Kind reist. Zum Beispiel wenn man abends Hunger hat und feststellt, dass Restaurants erst gegen 20 Uhr öffnen. Und dann gibt es auch noch eine Siesta! Die Seilbahn zum Beispiel fährt zwischen viertel nach drei und halb fünf am Nachmittag nicht. Wenn man sich allerdings akklimatisiert hat, kann diese Zeitverschiebung sogar Wunder bewirken: Ich habe von spanischen Kindern gehört, die bis um 10 Uhr schlafen. Zehn Uhr! Wir waren dafür leider nicht lange genug in Spanien.

Madrid mit Kind: Sechs schöne Aktivitäten

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1. Churros con Chocolate bei San Gines

Die 1894 eröffnete Chocolateria San Gines ist eine Institution: Hier bekommt man die womöglich besten Churros der Stadt, und zwar rund um die Uhr. Churros sind frittierte Teigwürste, die in Spanien mit einer Schokosoße serviert werden, welche fast so dick ist wie Pudding. Eine echte Fett- und Kalorienbombe, aber unglaublich lecker und ungefähr so wirksam wie Zaubertrank, wenn es darum geht, kurzen Kinderbeinen einen Energiekick zu verpassen. Funktioniert aber auch bei Erwachsenen.
Für mich war es ein schönes Déjà-Vu, in das Gässchen einzubiegen, in dem sich, unter einer gewölbeartigen Toreinfahrt, die Chocolateria befindet. Das letzte Mal sind der Co-Jäger und ich hier nämlich nach einer durchtanzten Nacht gelandet, der Himmel wurde schon langsam hell, und neben uns am Tresen stand eine Gruppe älterer Damen und Herren, die so elegant gekleidet waren als kämen sie gerade von einem Opernball.

Die Standardportion („una ración“) besteht bei San Gines aus sechs langen dünnen Churros mit zwei Kaffeetassen voll Schokosauce für 7 Euro. Wem das zuviel ist, der bestellt die Hälfte („media ración“).

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2. Mit dem Téleferico auf den Casa de Campo

Mit der Seilbahn über Madrid zu fahren, ist vergleichbar mit einem Besuch des Fernsehturms in Berlin: totales Touriprogramm, lohnt sich aber trotzdem. Und natürlich wird es auch von Einheimischen gemacht. María und ihr Sohn sind erst kürzlich mit dem Téleferico gefahren und fanden es toll. „Aber wenn Du oben aussteigst, auf dem Casa de Campo, dann ist da NICHTS!“, hatte sie mich lachend gewarnt. „GAR nichts!“
Der Casa de Campo ist ein rund 1700 Hektar großes, fast unberührtes Stück Land am westlichen Rand von Madrid. Park trifft es nicht wirklich, denn nur unmittelbar an der Bergstation hat ein Landschaftsgärtner Hand angelegt. Ansonsten ist es einfach ein Hügel mit (jetzt, im Spätsommer) ausgebleichtem Gras, staubiger Erde, Pinien und anderen Bäumen. Früher ging der König hier auf die Jagd, heute nutzen es die Madrilenen zum Radfahren, Joggen, Wandern, Hund Gassi Führen und Picknicken. Und es bietet viel Platz für Kinder, um sich auszutoben, während die Eltern den Panoramablick über die Stadt genießen können. Einen ziemlich coolen Spielplatz, der auch ältere Kinder begeistern dürfte, gibt es dort oben auch.
Die etwa 15-minütige Fahrt in einer kleinen Gondel ist natürlich die eigentliche Attraktion. Bis zu sechs Personen finden darin Platz, die kleine Co-Jägerin und ich hatten aber eine für uns alleine. Langsam sind wir vom Stadtrand auf den Berg hinauf gesegelt, anfangs an einigen Hochhäusern vorbei, bei denen wir in die Fenster hinein schauen konnten, haben dann den Fluss überquert, in der Ferne den Königspalast entdeckt („Wohnt da auch eine Prinzessin drin?!“) und den Fernsehturm von Madrid.
So ganz Recht hatte María allerdings nicht, dass da oben „gar nichts“ sei. An der Bergstation angekommen, muss man nämlich erst einmal einen Parcours überwinden, der aus Gummibärchen, Plüschtieren, Spielautomaten mit noch mehr Plüschtieren und einigen dieser bunten, blinkenden Fahrzeuge besteht, wie sie oft vor Kaufhäusern stehen. Währenddessen wird man mit Musik aus dem Obergeschoss beschallt, wo sich ein Café und ein Indoorspielplatz befinden. Hat man es aber zum Ausgang geschafft, dann steht man plötzlich mitten in der Natur. Schön!

Die Fahrt mit dem Téleferico kostet 4,20 bzw. 5,90 Euro (einfach bzw. hin und zurück), Kinder bis 3 Jahre zahlen nichts. Die Talstation ist ca. 500m von der U-Bahnstation „Argüelles“ entfernt. Unbedingt vorher die Öffnungszeiten online checken – wir standen um 11 Uhr vor verschlossener Türe und eine Siesta machen die Mitarbeiter auch. Wer mehr Action möchte: Am unteren Ende des Casa de Campo befinden sich der Zoo samt Aquarium und ein Vergnügungspark („Parque des Atracciones„).

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3. Über einen Markt schnabulieren

Wer diesen Blog kennt, den wird es nicht überraschen, dass ich Wochenmärkte liebe. Auf unserem Madrid-Kurztrip war das deshalb auch der eine Programmpunkt, der für mich unbedingt sein musste. Noch vor „Tapas essen“, was ich aus nostalgischen Gründen ebenfalls gerne wollte. Reiseführer empfehlen den Mercado de San Miguel, der (inzwischen) wohl eine Art Feinkostmarkt ist, auf dem man an diversen Ständen auch warme Gerichte bekommt. Er soll ziemlich voll und auch recht hochpreisig sein.
Wir waren statt dessen auf dem „Mercado de Cebada“ ganz in der Nähe unseres Apartments, ein klassischer Wochenmarkt mit einer riesigen Auswahl (es gibt rund 250 Stände), der sich in einer großen, einladenden und erst kürzlich komplett renovierten Markthalle befindet. Wir haben dort einen Picknickkorb für unseren Ausflug auf den Casa de Campo zusammengestellt: Jamón, Manchego-Käse, Brot und ein paar süße Teilchen, Oliven, eingelegte Bohnen und ein bisschen Obst. Die Verkäufer ließen sich gerne auf ein kleines Schwätzchen mit mir ein (soweit meine eingerosteten Spanischkenntnisse das hergaben) und die kleine Co-Jägerin bekam an jedem Stand etwas zum Probieren geschenkt. Am besten gefiel ihr aber der Fischstand mit den großen Tintenfischen und der Holzkiste, in der noch lebende Flusskrebse herumkrabbelten.

Der Mercado de Cebada befindet sich direkt am U-Bahnhof „La Latina“, geöffnet ist von 9-20:30 Uhr, allerdings mit einer ziemlich langen Mittagspause (14-17:30 Uhr).

 

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4. Tapas essen

Das schönste Semester meines ganzen Studiums habe ich an der Universidad de Salamanca verbracht: ein Winter voller Sonnentage an der ältesten Uni Spaniens in einer echten Studentenstadt. An vielen Samstag Nachmittagen sind wir mit einer ganzen Gruppe von Freunden Tapas essen gegangen. Typischerweise bekam man zu einer Portion Tapas – ein Tellerchen mit Tortilla, Tintenfischsalat, Kartoffeln aioli, eine Scheibe Brot mit Schinken, Fleischbällchen in Soße oder oder oder – ein kleines Glas Wein oder Bier („una caña“) gratis dazu. „Lass uns ein paar Gläschen Wein essen gehen“ war unter Erasmus-Studenten jedenfalls ein beliebter Witz.
Aus purer Nostalgie, aber auch weil ich weiß, dass der kleinen Co-Jägerin die unterschiedlichen Probierportionen gefallen würden, wollte ich die Tradition mit ihr aufleben lassen. Ein praktischer Nebeneffekt wäre, dass wir so schon früher zu Abend essen könnten, denn die Tapasbars öffnen früher als Restaurants. Dachte ich zumindest, aber auch hier gibt es Ausnahmen. Ich hatte mir während unseres Spaziergangs von Sol zu unserem Apartment auch schon eine Straße ausgeguckt, in der es eine typische Bar neben der anderen gab. Als wir gegen halb 7 wieder dort vorbei spazierten, waren jedoch noch alle Rolläden unten. So landeten wir schließlich in einer Bar auf der Plaza de Cascorro direkt vor unserem Apartment (wo Sonntags übrigens auch der Rastro stattfindet) und mussten mit „raciones“ (großen Portionen) und einer kleinen Auswahl vorlieb nehmen. Dafür konnten wir an dem lauen Herbstabend schön draußen sitzen statt uns in einer knallvollen Bar an den Tresen zu drängen. Das hatten wir dann zwei Tage später auf der Fería de Las Rozas (s.u.). In jenem Vorort entdeckten wir auch eine andere Art von Häppchen: Beim Bäcker „Espiga de Oro Las Rozas“ gab es eine wahnsinnige Auswahl an Mini-Törtchen (Titelbild), die meisten eher auf der sahnig-süßen Seite, aber unglaublich lecker.

In den parallel verlaufenden Sträßchen Calle Cava Baja und Calle de la Cava Alta im Barrio La Latina reiht sich eine Tapas Bar an die nächste. 

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5. Eine Corrida ganz ohne Menschenmassen erleben

Nach zwei Tagen im Zentrum von Madrid haben wir Freunde besucht, die am Stadtrand wohnen. Und durch Zufall (wirklich!) fand genau an diesem Wochenende die dortige „Fería“ statt, die so ziemlich jede Stadt und jedes Dorf in Spanien ein Mal im Jahr mit Musik und Rummel und auch ein bisschen traditionellem Programm feiert. Und so bekamen wir ganz unverhofft die Gelegenheit, eine Corrida mitzuerleben – und zwar ganz ohne die Menschenmassen, die das berühmt-berüchtigte Stierrennen in Pamplona alljährlich anzieht. Wir waren erst unentschlossen, ob wir uns tatsächlich anschauen wollen, wie Leute vor einer Horde Stiere wegrennen und womöglich verletzt werden, aber da der Sonntag Vormittag als „Kinderprogramm“ angekündigt wurde, siegte dann doch die Neugierde.
Für die Corrida war eine Spur einer breiten Straße mit stabilen Metallgattern in einen Korridor verwandelt worden. Obwohl wir erst kurz vorher ankamen, fanden wir sofort einen Platz in der ersten Reihe, direkt am Gatter. Es waren vor allem Jugendliche, die dann vor etwa zehn jungen Stieren her rannten, und wen der Mut oder die Kraft verließ, der konnte schnell innen an dem Gatter hochklettern und sich in Sicherheit bringen. Die wilde Jagd war innerhalb von fünf Sekunden an uns vorbei geprescht. Danach liefen die Zuschauer geschlossen in die Arena, die sich etwa 200 Meter entfernt befand, und auch wir gingen mit, denn bei den „Stierspielen“, versicherte uns die Familie neben uns, werde keines der Tiere verletzt. In der Arena wurde dann jeweils einer der jungen Stiere für 10-15 Minuten in die Arena gelassen, wo er auf jeden losging, der sich in sein Blickfeld bewegte. Das Spiel bestand darin, dem Stier möglichst nahe zu kommen, freilich ohne dabei verletzt zu werden. Es gibt wohl Städte, in denen das ziemlich artistisch abläuft, weil die Teilnehmer über die angreifenden Stiere springen und Saltos schlagen. In Las Rozas gab es nur einen einzigen Jugendlichen, der DAS HIER ein paar Mal machte:

Die „Fiestas de San Miguel“ in Las Rozas de Madrid finden jedes Jahr Ende September/ Anfang Oktober statt. Mit dem Zug braucht man aus dem Stadtzentrum etwa eine halbe Stunde dorthin. Termin und Programm auf https://www.lasrozas.es.

6. Ruderboot fahren im Retiro-Park

„El Retiro“ ist ein großer Park im Herzen von Madrid, in dem es auch mehrere Seen gibt. Auf dem größten kann man Ruderboot fahren – unter den gestrengen Augen König Alfonso XII, der auf seinem Pferd im Zentrum eines imposanten, stuckverzierten, 86 Meter langen Säulenganges aus Marmor thront. Dort ein Ruderboot zu leihen, wurde uns gleich von zwei Freunden mit Kindern empfohlen, aber es hat zeitlich einfach nicht mehr ins Wochenende gepasst. Ich war aber bei einem früheren Madrid-Besuch schon im Retiro und habe ihn als sehr schön und entspannt und auch bei sommerlichen Temperaturen angenehm in Erinnerung. Das nächste Mal probieren wir das Rudern bestimmt.

Von der U-Bahnstation „Retiro“ sind es nur ein paar hundert Meter bis zum See („Estanque Grande„).

Warst Du schon in Madrid und hast noch weitere Tipps für uns
Wo hat es Dir und Deinen Kindern am besten gefallen?

Wir freuen uns wie immer über Kommentare!

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Julia,
    das klingt nach einem tollen, langen Wochenende und macht richtig Lust zum Nachreisen. Ich hatte als nächstes Barcelona mit Kind im Blick, aber warum eigentlich nicht mal die Hauptstadt selbst …
    Liebe Grüße
    Gela

  2. Barcelona ist natürlich auch unbedingt eine Reise wert und bestimmt auch mit Kind super, wenn ich da an die Hafenrundfahrt denke und die Rieeeeesenportion Gambas, die wir in einem Restaurant irgendwo am Hafen aufgetischt bekamen… Aber Madrid ist definitiv auch toll. Schwierige Entscheidung, vielleicht musst Du einfach beide Städte besuchen 🙂

  3. Danke, liebe Ines! In Barcelona war ich bisher nur ohne Kind, da will ich wiederum unbedingt nochmal wieder hin. Ich melde mich dann nochmal bei Dir wegen Tipps 🙂

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