Neufundland: Dieser Rum ist zum Kreischen

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Was haben hochprozentiger Rum und gesalzener Fisch aus dem Nordatlantik gemeinsam? Sie sind das Fundament eines florierenden Handels zwischen Jamaika und Neufundland – und wurden in ein und denselben Fässern hin und her geschippert. Das hatte zur Folge, dass 1. der Rum einen äußerst markanten Eigengeschmack erhielt und 2. gesalzener Fisch zum Nationalgericht der Kariben und Rum zum Nationalgetränk der Neufundländer avancierte.

Und weil die kanadischen Fischer hoch oben im Norden hart im Nehmen waren und so ein alkoholisches Getränk bei rauher See auch schön warm hält, dachten sie nicht im Traum daran, ihren Rum zu verdünnen, sondern tranken ihn so wie er war. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts erhielt die hochprozentige Leibspeise dann auch endlich einen Namen. Und das kam so.

Der Legende zufolge wurde ein US-Offizier, der während des zweiten Weltkriegs in Neufundland stationiert war, von einer Familie zum Essen samt anschließendem Digestiv eingeladen. Dem Beispiel des Gastgebers folgend, kippte der Amerikaner seinen Rum sorglos auf ex. Als er wieder Luft bekam, soll er einen so markerschütternden Schrei ausgestoßen haben, dass die Nachbarn alarmiert herbeigelaufen kamen und fragten, was um Himmels Willen denn dieses Kreischen verursacht habe.

“The screech?”, soll der Gastgeber geantwortet haben, „‘Tis the rum, me son.”

Der Name blieb hängen. Und die Geschichte des Offiziers ging um wie ein Lauffeuer, was zur Folge hatte, dass auch dessen Kollegen diesen besonderen Rum probieren wollten und sich das Gekreisch über die Grenzen Kanadas hinaus verbreitete.

Heute wird Screech in Stahltanks aus Jamaika nach Kanada verschifft, was dem Geschmack sicherlich nicht geschadet hat. Seit Anfang diesen Jahres ist er nun auch in Deutschland erhältlich und hat uns in der Verkostung überzeugt: Weiches Mundgefühl mit leichten Karamell- und Vanillenoten, aber trotzdem mit ordentlich Wumms. Auch die mit Screech verfeinerte Schokosauce hatten wir in null komma nix geleert, sie schmeckte einfach zu gut zum Vanilleeis (und nur dezent nach Alkohol). Allerdings sollte man sie lieber nicht beim Familienessen auf den Tisch bringen, denn dass diese köstlich duftende, wunderbar dickflüssige dunkle Schokolade nur für Erwachsene ist, werden ihnen die Knirpse einfach nicht glauben.

Weniger überzeugt hat uns die Blaubeermarmelade mit Screech, was aber weniger am Rum lag als daran, dass der Brotaufstrich vor allem zuckrig schmeckte. Schade! Gerade in Kanada gibt es doch wirklich aromatische Blaubeeren. Auch das Kaffeepulver mit Screech enttäuschte uns. Aufgebrüht erzeugte es ein Heißgetränk, das wie eingeschlafene Füße schmeckte und dabei einen undefinierbaren Beigeschmack hatte. Wobei sich ja sowieso die Frage stellt: Warum muss man das Pulver aromatisieren? Wenn ich meinen Kaffee mit Schuss trinken will, dann kippe ich mir doch lieber echten Rum hinein.

Übrigens darf jeder offizieller „Screecher“ werden, der ein Glas des Rums herunterstürzt und anschließend einen Kabeljau küsst. Ähm, ja, genau. Das ist natürlich nichts für Prinzesschen. Aber die würden in Neufundland ohnehin nicht lange durchhalten. Der Comedian Conan O’Brien hat es in seiner Late Night Show heldenhaft vorgemacht. Nur das Gelöbnis hätte er beinahe nicht über die Lippen gebracht: “Deed I is me old cock, and long may your big jib draw!”

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Disclaimer: Die Produkte für die Verkostung wurden mir freundlicherweise von www.screech-rum.de zur Verfügung gestellt.

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