Wenn im Park der Holunder blüht: Mach Limonade daraus! [MIT REZEPT]

Holunderblüten am Busch

Jedes Jahr, so etwa Anfang Juni, wünsche ich mir, fünf Meter groß zu sein. Oder ausfahrbare Stelzenbeine zu besitzen. Nur für einen einzigen Tag, das würde mir genügen. Mitte Mai etwa fangen nämlich die Holunderbäume an zu blühen, die in dem großen Park am Ende unserer Straße wachsen. Der Volksmund spricht ja vom „Hollerbusch“, aber die Exemplare bei uns sind schon äußerst groß gewachsene Büsche mit ziemlich langen Stämmen. Und gaaaaanz oben, wo die Sonne am kräftigsten draufscheint, sitzen riesige Blütendolden, dicht an dicht. Soweit ich das von hier unten erkennen kann, sind sie schwer von gelben Pollen.

Genau solche Blüten wollen die kleine Co-Jägerin und ich sammeln, um daraus Holunderblütensirup zu kochen. Je mehr Pollen, desto mehr Geschmack anschließend. Idealerweise sammelt man deshalb an einem sonnigen Tag, dem mindestens ein, zwei trockene Tage vorangegangen sind, und nimmt nur weit geöffnete Blüten, die stark duften. An die Dolden ganz da oben kommen wir leider nicht ran, aber im Grunde ist es natürlich gut, dass ein Teil für uns Sammler unerreichbar bleibt, denn wir wollen den Baum ja nicht ratzeputz ableeren. Und so schwirren wir wie zwei Bienchen von Baum zu Baum und legen – schnipp, schnapp, schnipp, schnapp – Blüte um Blüte in unsere mitgebrachte Tüte.

Die kleine Co-Jägerin ist mit Feuereifer bei der Sache und entdeckt die Holunderbäume, die sich gerne zwischen wucherndem Grünzeug und hinter Wänden aus Brennesseln verstecken, oft noch vor mir. „Ganz alleine!!!“ schneidet sie dann die Dolden ab. Zumindest solange mein Bizeps das mitmacht, denn auch sie hat leider keine ausfahrbaren Fünf-Meter-Beine, den Job müssen meine Arme übernehmen.

Wenn wir genug gesammelt haben, tragen wir unsere Beute nach Hause und machen Holunderblütensirup daraus. Und zwar so:

  • Je 10-15 Dolden in 1 Liter Wasser legen (bei mehr Dolden entsprechend multiplizieren). Ich schneide die dicken Stängel ab, die dünneren lasse ich dran.
  • 1-2 Biozitronen (unbehandelte Schale!) in Scheiben schneiden und diese auf den im Wasser liegenden Blüten verteilen.
  • Etwa 24 Stunden ziehen lassen, dabei ab und zu mit einem Löffel die Blüten ein bisschen im Wasser bewegen. Macht euch darauf gefasst, dass die ganze Wohnung danach duftet.
  • Die Blüten möglichst restlos aus der Flüssigkeit entfernen (ich drücke sie über dem Topf nochmal aus, um das letzte Fitzelchen Geschmack herauszuholen). Das Wasser müsste jetzt goldgelb bis bernsteinfarben sein.
  • Je 1kg Zucker plus ca. 15g Zitronensäure in 1L Flüssigkeit rühren (ergibt ca. 1,5L Sirup). Die Zuckermenge lässt sich auch reduzieren, probiert es je nach persönlicher Vorliebe einfach aus.
  • Aufkochen lassen und rühren, bis der Zucker sich komplett gelöst hat, und ein paar Minuten kochen lassen. Das ist wichtig, um den Gärungsprozess zu stoppen, denn sonst bekommt ihr Holundersekt. Das haben wir einmal probiert mit dem Ergebnis, dass uns der Korken der Bügelflasche, in der wir unseren flaschengegorenen Grand Cru Hollersekt lagerten, um die Ohren flog und fast ein Auge ausschoss. Und dann schmeckte die Plörre nicht einmal. Nee danke.
  • Die kochende Flüssigkeit (Achtung, Sirup wird sehr heiß!) durch ein feines Sieb in gut gespülte oder ausgekochte Flaschen füllen und sofort verschließen.
  • Unser Holunderblütensirup war bisher immer mindestens ein Jahr haltbar (länger hat der Vorrat noch nie durchgehalten). Wenn sich bei der Lagerung auf dem Boden der Flasche ein bisschen dunkler „Staub“ absetzt, dann war euer Filter einfach nicht fein genug, ist aber nicht schlimm.
  • Im Sommer trinke ich gerne Mineralwasser mit einem Schuss Holunderblütensirup, Eiswürfel dazu und 1-2 Stängel frische Minze. Herrlich!

Der Co-Jäger mag Holunderblüten übrigens am liebsten auf österreichische Art zubereitet: Die Dolden in etwas Teig aus Mehl, Ei, Milch stippen, in der Pfanne ausbacken und mit Puderzucker bestäuben. Eine ziemlich fettige Angelegenheit, aber solltet ihr definitiv mal ausprobieren.

Habt ihr unsere Rezepte ausprobiert und Verbesserungsvorschläge?

Schmeckt euer Hollersekt etwa richtig gut und ist euch noch nie um die Ohren geflogen?

Habt ihr weitere Ideen, was man aus Holunderblüten Leckeres machen kann?

Dann schreibt es uns als Kommentar!

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die Erinnerung an den aromatischen Hollunderblütensirup. Wir haben seit zwei Wochen eine Eismaschine in der Büroküche. Sahniges Hollunderblüten-Eis klingt nach einem Plan.
    Und übrigens ist Hollundersekt echt gefährlich: wir waren dabei, als selbstgemachter H-Sekt im Kühlschrank explodierte und die Splitter die gesamte Innenverkleidung des Kühlschranks und den Inhalt zerstörten.

  2. Sahniges Holunderblüten-Eis… mmmmmmh das klingt toll!! Die alkoholische Gärung werden wir definitiv nicht mehr unterschätzen. So einen Glassplitterhagel möchte man echt nicht abkriegen und auch keinen davonschießenden Flaschenverschluss :-O

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