Avocados: Eine Hass-Liebe

Avocado am Baum


Mit den Avocados in Deutschland verhält es sich ja leider meistens so: Man kauft sie hart wie Stein, lässt sie zuhause nachreifen – und verpasst dann das (gefühlt) nur wenige Stunden große Zeitfenster, in dem sie den richtigen Reifegrad haben, bevor ihr Fruchtfleisch bräunlich-matschig verdirbt. Und wenn man im Supermarkt doch einmal eine vermeintlich reife Avocado erwischt, entpuppt sie sich zuhause, beim Aufschneiden, meist nur als von-zu-vielen-Händen-weich-gedrückt.

In Neuseeland hatten wir daher ein echtes Erweckungserlebnis. Dort wachsen die ursprünglich aus Mittel- und Südamerika stammenden Früchte nämlich, seit ein gewisser Charles Grey um 1920 ein paar Exemplare aus Kalifornien mitbrachte und an der East Coast pflanzte. Zum ersten Mal haben wir dort Avocados vollreif gegessen.

Ihre Textur ist so cremig, dass man sie einfach aus der Schale löffeln und mit der Zunge im Mund zerdrücken kann – was sie übrigens zum perfekten Reisesnack für unsere kleine Tochter machte, die gerade erst anfing, feste Nahrung zu essen. Und sie schmeckten! Buttrig, nussig, göttlich. Gesund sind sie noch dazu, voller Nährstoffe und ungesättigter Fettsäuren. Und satt machen sie. Wir haben fast jeden Tag eine verputzt. Gerne auch als Brotaufstrich, mit etwas Marmite gewürzt.

Lustigerweise sind die meisten mit einem Aufkleber versehen, auf denen „Hass“ steht.

Das bezeichnet aber nur die (in Neuseeland am häufigsten angebaute) Sorte. Für uns war es eher: Liebe auf den ersten Blick. Schon die Supermarktware ist nicht schlecht (man kann aber auch in Neuseeland Pech haben und eine vermeintlich reife, aber nur zerquetsche Frucht erwischen), besser wird es auf den Farmer’s Markets, wo man überwiegend Bio-Avocados bekommt. Die aromatischsten Früchte haben wir allerdings in sogenannten Honesty Boxen gefunden: Das sind einfach an den Straßenrand gestellte Kisten oder Regale, in denen Leute die Überschüsse aus ihren Gärten anbieten. Dafür legt der ehrliche Käufer dann ein paar Münzen in die Kasse.

Der weltweit größte Produzent ist übrigens Mexiko: 2013 wurden dort fast 1,5 Mio Tonnen Avocados geerntet, während Neuseeland mit im Vergleich bescheidenen 21.025 Tonnen nur auf Platz 27 landete. Wenn man bedenkt, dass die Frucht im Land der Azteken bereits kultiviert wurde als die Conquistadores dort landeten, in Aotearoa hingegen die erste Plantage 1940 angelegt wurde, ist das trotzdem ganz beachtlich. Zumal die zur Verfügung stehende Anbaufläche (überwiegend in der Bay of Plenty) natürlich nur einen Bruchteil beträgt. In deutsche Supermärkte verirren sich neuseeländische Avocados leider nur selten.

Zwar kann man auch in hiesigen Bioläden halbwegs reife, halbwegs leckere Avocados finden. Aber an das Aroma einer Frucht frisch vom Baum kommen sie einfach nicht ran. Der Hass-Aufkleber, den sie manchmal tragen, entlockt mir jedes Mal ein leicht melancholisches Lächeln. Aber wenigstens kenne ich jetzt einen Trick, um zu erkennen, ob eine Avocado den gewünschten Reifegrad hat: In diesem Video wird er verraten.

Das Titelfoto zeigt einen Avocadobaum im wunderschönen Garten des The Nuthouse in der Bay of Plenty.

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