Essensgelüste im Urlaub: Wenn das kulinarische Heimweh zuschlägt [Blogparade]

Foto: Julia Schoon

In einigen Bundesländern sind ja schon etwas länger Ferien, womöglich lest ihr also diesen Beitrag in Spanien, Schweden oder Kanada. Vielleicht habt ihr aber auch, genau wie wir, gerade Hummeln im Hintern, weil es in den nächsten Tagen ENDLICH losgeht. Wir können es jedenfalls kaum abwarten, den Motor unseres Bullis anzulassen und in Richtung Balkan zu fahren.

Genau der richtige Zeitpunkt also, um sich mit unserer Blogparade mental darauf vorzubereiten, dass uns während der schönsten Zeit des Jahres auch richtig heimtückisches Heimweh erwischen kann. Wir reden hier von Heißhungerattacken auf Essen, das es am Urlaubsort auf gar keinen Fall gibt. Echt bayrischen Leberkäse zum Beispiel, mit Hiffenmark gefüllte Krapfen oder richtig guten Kaffee, den Geraldine von Reiseratte.de in Nicaragua, eigentlich eines DER Kaffee anbauenden Länder schlechthin, sehr vermisst hat. Weil wir dieses Phänomen auf früheren Reisen schon ein paar Mal erlebt haben, sind wir da inzwischen recht entspannt und eher neugierig, wonach wir während unseres vierwöchigen Roadtrips wohl Sehnsucht haben… und werden euch natürlich davon berichten.

In den Urlaub möchten wir euch aber noch ein bisschen Proviant mitgeben: die schönsten Anekdoten, die ihr unter dem ursprünglichen Blogpost mit uns geteilt habt!

Aras von wegsite.net begegnet seinen „Jibberattacken unterwegs“ mit ähnlichem Langmut wie wir. Und weil er noch einige Reisejahre mehr als wir auf dem Buckel hat und schon so manchen kulinarischen „Cold Turkey“ erlebt, hat er nicht nur herrliche Anekdoten, sondern auch ein paar clevere Tricks für uns. „Um uns in schwachen Momenten selbst überraschen zu können, stecken in den Tiefen unseres Gepäcks zwischen gerollten T-Shirts und dem Seidenschlafsack verzehrbare Reminiszenzen an die Heimat“, schreibt er. „Einige Pakete Schwarzbrot begleiten uns, hausgemachte Marmelade und manchmal auch kleine Pastetenkonserven. Dazu, in homöopathischen Dosierungen, Gummibärchen und Karamellbonbons.“ Ha! Genial! Trotzdem halten auch diese Suchtpakete natürlich nicht ewig. Als Aras mehrere Monate durch Indien reiste, blieb es daher nicht aus, dass er in den größeren Städten zielstrebig nach Restaurants forschte, die europäische Gerichte anbieten. „Das sind Prozesse, die durch das vegetative Nervensystem initiiert werden“, so die Erkenntnis seiner jahrzehntelangen Feldstudien, „die lassen sich nicht unterdrücken.“

Natürlich kann man auch versuchen zu improvisieren, wenn man auf Reisen von einer Heißhungerattacke erwischt wird.

Manchmal geht das sogar gut, wie uns Monika von Travelworldonline.de in ihrem Blogpost „Kartoffelknödel in Kanada“ erzählt. Oh, ich kann ihr Heimweh soooo gut nachempfinden, schließlich bin ich auch ein Knödel-Afficionado…und so eine frühkindliche Prägung (bei ihr sind es die von Mama gekochten Kartoffelklöße, bei mir die Semmelknödel) geht nicht einfach so wieder weg. Die trägt man in sich, auch wenn man wie Monika seit über 30 Jahren hauptberuflich und nahezu permanent die ganze Welt bereist. „Dabei habe ich natürlich viele verschiedene Küchen kennen- und lieben gelernt“, schreibt sie, „und ich freue mich auch heute noch darauf, frischen Wildlachs aus den Fjorden British Columbias oder ein saftiges Prime Rib aus Alberta mit Meerrettich Soße und gebackener Kartoffel auf dem Teller vor mir zu haben.“ Trotzdem erwischte das kulinarische Heimweh sie genau dort: Gegen Ende einer fast neunmonatigen Reise wuchs ihr Heißhunger auf Kartoffelknödel ins schier Unermessliche. „Bis wir in einen winzigen Supermarkt in den nördlichen Rocky Mountains kamen. Der Ort war so klein, dass ich mich nicht einmal mehr an seinen Namen erinnern kann. Aber was entdeckte ich dort im Supermarkt Regal? Kartoffelknödelteig!!!“ Nicht ganz stilecht, aber dafür mit überschäumenden Glücksgefühlen garniert, bereitete sie sich die Knödel mit Goulasch auf einem Campingplatz in Alberta zu.

Das Improvisieren vor Ort kann aber auch ordentlich schief gehen.

Zum Beispiel wenn man plötzlich den totalen Hamburger-Labskaus-Sehnsuchts-Flash bekommt, so wie Silke und Oliver, die in Kanada wohlgemut alle dafür benötigten Zutaten im Supermarkt einkauften. Dachten sie zumindest. „Die daraus in unserem Camper zubereitete pinkfarbene Mansche hatte so dermaßen wenig mit dem Original gemein, dass wir es entsorgt haben“, schrieb sie uns auf facebook. „Cornichons und Rote Bete waren so anders eingelegt, papp süß, das Corned Beef hatte eine andere Konsistenz, alles war seltsam.“ Ihre Lehre daraus: „Labskaus immer nur zuhause kochen!“

Manchmal ist es aber auch genau anders herum.

„Wir waren zum Tauchen auf Panglao (mittlerer Bereich der Philippinen)“, schreibt unser Leser Michael. „Kamen ganz gut mit dem einheimischen Essen klar: viel Fisch, viel Obst. Und dann entdeckten wir ein bayerisch-philippinisches Restaurant. Es gab kein Halten mehr. Der Besitzer (ein Metzger) hatte beim Tauchurlaub seine Frau kennengelernt und ist dageblieben. Er macht seine Leberkäse und Bratwürste selbst – und sie schmeckten wie daheim.“

Einen ähnlichen Glücksfall hatte Gela von unterwegsmitkind.com.

„Der ideale Fahrtag“, den sie in ihrem Blog beschreibt, wurde dadurch perfekt, dass sie unverhofft auf eine „German Bakery“ stieß, die nicht nur richtig gutes Brot und sogar Laugenbrezeln verkaufte, sondern im zugehörigen Restaurant auch noch Brautwurst, Sauerkraut, Weißbier, Schweinebraten, Klöße und mehr. Und das mitten in Costa Rica, am Ufer des Arenalsees. Diesen größten See des Landes haben Gela und ihr kleiner Sohn an einem Tag umrundet und dabei possierliche Nasenbären getroffen, einen Staudamm besichtigt, unerschrocken unter eiskalten Wasserfällen gebadet und Schaffner bei der Schmalspurbahn gespielt. Klingt auch für uns nach einem ziemlich runden Tag.

Falls euch im Urlaub aber doch ganz unvorbereitet die volle Heißhunger-Breitseite erwischt, dann tröstet euch mit der Aussicht, dass ihr anschließend auf Parties wahrscheinlich eine lustige Story mehr zu erzählen habt… (und gerne auch UNS hier – gleich unten in den Kommentaren!)

Oder eine so wunderschön wehmütige, wie sie Ilona drüben bei WANDERND aufgeschrieben hat.

„Heimweh schmeckt nach Hiffenmark“, erzählt sie uns, denn als gebürtige Fränkin ist sie mit Faschingskrapfen aufgewachsen, die IMMER mit Hiffenmark (Übersetzung für Nicht-Franken: Hagebuttenmarmelade) gefüllt waren. „Nicht im Traum wäre ich darauf gekommen, dass Menschen anderer Länder oder Regionen ihre Krapfen mit irgendetwas anderem füllen könnten.“ Diese schreckliche Erkenntnis ereilte sie erst, als sie einige Jahre in Österreich lebte, wo DER Faschingskrapfen die allgegenwärtige Marille (also Aprikose) enthielt. „Marillenmarmelade im Faschingskrapfen kam für mich einer Barbarei gleich! Wie konnte man in den NORMALEN Faschingskrapfen nur irgendetwas anderes füllen als Hiffenmark?“ Fast noch größer war ihr Schock jedoch, als sie, inzwischen wieder in Süddeutschland lebend, in einer Münchner Bäckerei einen Krapfen bestellte: „Als ich hineinbiss, sah ich, was er enthielt: Aprikosenmarmelade. APRIKOSE??? Wenn ich Marille im Krapfen wollte, würde ich ja wohl wieder nach Österreich ziehen!“ Unbedingt im Ganzen lesen!

So ziemlich jeder, der schon mal irgendwo hin verreist ist, kennt aber auch das entgegengesetzte Gefühl, nämlich kulinarisches Fernweh. Nach Hause kommt man ja (toi toi toi) irgendwann immer. Aber selbst wenn man sich marokkanischen Minztee mitgebracht hat oder eine Paella-Pfanne – so gut wie im Ursprungsland schmeckt es einfach nicht.

Christina von Triptotheplanet.de erzählt uns in ihrem Beitrag „Wenn der Magen plötzlich Heimweh bekommt“ von beiden Seiten. „Das Essen und ich haben eine ganz besondere Beziehung. Für mich stellt es nicht nur die notwendige Nahrungsaufnahme dar, sondern ich zähle mich zu den Menschen, die auch einen gewissen Anspruch an ihr Essen haben“, schreibt sie da. Und: „Ich probiere unterwegs ungemein gerne die Landesküche.“ Darin haben wir uns ja sofort wiedererkannt. Ausgerechnet in Italien, dessen Küche sie sehr mag, bekam sie plötzlich kulinarisches Heimweh nach einem richtig guten Frühstück mit IHREN Cornflakes in perfekt temperierter Milch – und zu allem Überfluss auch noch eine Pizza-Überdosis. Für Christina ist das kulinarische Fernweh aber schlimmer. Seit ihrem Urlaub in Schottland vermisst sie „schon fast chronisch“ Irn Bru und Shortbread.

Ilona hat in ihrem Heimweh-Stück einen sehr lesenswerten Blogpost zitiert, den wir an dieser Stelle gerne mit euch teilen möchten – obwohl es darin eigentlich um „17 things that change forever when you live abroad“ geht. Aber das Zitat passt so gut hierher:

„Nostalgia strikes when you least expect it. A food, a song, a smell.
The smallest trifle can overwhelm you with homesickness.
You miss those little things you never thought you’d miss, and you’d give anything to go back to that place, even if it were just for an instant.
Or to share that feeling with someone who’d understand you…“

Ist es Dir auch schon mal so ergangen?

Worauf hast Du auf einer Reise schon mal so richtig Heißhunger bekommen?

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Julia,
    da sind ja wirklich schöne, lustige, wehmütige und spannende Anekdoten zusammengekommen. Die Knödel-Sehnsucht kenne ich auch sehr gut. Mich erwischt die immer volle Breitseite, wenn Sahnemann in weiter Ferne ohne Blick auf die Speisekarte einfach „Kloß mit Soß“ skandiert… Dumm, dass man Kartoffelknödelteig nicht im Reisegepäck deponieren kann…
    Liebe Grüße
    Gela

  2. @Gela Kartoffelknödelteig gibts ja auch als Pulver zum Anrühren….der ginge auch mit ins Gepäck. Falls der Notfall eintritt ;-p

Schreibe einen Kommentar