Chaungtha Beach, Myanmar: Wo ein Bikini für Aufsehen sorgt und wir unser Mittagessen selbst angeln

Strandszene mit Pagode am Chaungtha Beach


Ganz im Süden des Landes, wo sich Myanmar als schmaler Streifen zwischen der Andamansee und Thailand lang macht, soll es wunderschöne Strände und einsame Inseln geben und eine nahezu unberührte Unterwasserlandschaft. Leider ist es Touristen während unserer Reise (2012) nur im Rahmen einer Pauschalreise (zum Beispiel eine Tauchexkursion auf einer Yacht) oder aber mit einer Sondergenehmigung erlaubt, diese Region zu besuchen. Beides übersteigt unser Budget. Auf ein paar Tage Strand zum Ankommen und Akklimatisieren haben wir trotzdem Lust. Als wir an der Hostelrezeption nach einer Empfehlung fragen, checkt gerade eine Holländerin ein, die zwei Monate lang durchs Land gereist ist. Und so bekommen wir jede Menge ganz unterschiedlicher Tipps.

Zwei Strände sind von Yangon aus relativ schnell zu erreichen, erfahren wir. Übersetzt heißt das: etwa sieben Stunden Fahrt auf unbefestigten Straßen, in unklimatisierten Bussen, die eigentlich für den Stadtverkehr gebaut wurden, auf schmalen Sitzbänken, die jede Bodenwelle live ans Steißbein übertragen. Oder wenn der Bus sehr voll ist: auf einem Plastikhocker im Mittelgang. Das ist allerdings immer noch besser als 18 Stunden Rumpelpiste. So lange dauert nämlich die Fahrt an den schönsten Strand des Landes, Ngapali, an dem es auch nur entsprechend hochpreisige Unterkünfte gibt. Und mit etwas Pech Baulärm, denn seit der Strand boomt, übersteigt die Nachfrage das Bettenangebot. Wir müssen uns deshalb nur zwischen den gleich weit entfernten Stränden Ngwe Saung (bei Touristen sehr beliebt) und Chaungtha (wo die Einheimischen Urlaub machen) entscheiden – und das fällt uns leicht.

Chaungtha Beach besteht aus einem sehr langen und breiten, goldenen Strand mit einer noch goldeneren Mini-Pagode auf einem Felsen direkt am Wasser. Lustigerweise treffen wir in unserem Hostel ausgerechnet einen Clubbesitzer aus Berlin (unserer Heimatstadt), der jedes Jahr ein paar Wochen in Asien chillt und sich in Bangkok neue Anzüge nähen lässt. Ansonsten sehen wir weit und breit nur urlaubende Burmesen. Die Kinder fahren fröhlich auf Leihfahrrädern den Strand auf und ab, lassen sich eine Runde auf einem der Ponies führen, die von ein paar Jungs jeden Morgen zum Strand gebracht werden, und ganze Familien lassen sich auf Autoreifen, die bergeweise am Strand zum Verleih angeboten werden, auf den Wellen schaukeln. Dabei tragen sie T-Shirts und traditionelle Wickelröcke, die nass zwar sehr viel Silhouette zeigen, aber keine nackte Haut.

Weil es außer uns kaum westliche Touristen gibt, bekommen wir noch mehr Aufmerksamkeit als an den ersten Tagen in Yangon. Am ersten Abend, als wir den Strand entlang zu der goldenen Felsenpagode spazieren, werden wir sogar ein paar Mal gebeten, uns mit auf ein Familienfoto zu stellen. Jedes Mal fühlen wir uns wie klobige Riesen neben den zierlichen Burmesen. Überhaupt scheint es in diesem Land nur schöne Menschen zu geben. Der Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass jeder Blick oder Gruß von uns mit einem strahlenden Lächeln erwidert wird, das aus tiefstem Herzen zu kommen scheint. Geschminkte Frauen sehen wir hingegen gar nicht. Die einzige Farbe in den Gesichtern stammt vom Thanaka. Das ist fein gemahle Rinde eines bestimmten Baumes, die mit Wasser vermischt als Sonnenschutz und Hautpflege auf die Wangen und manchmal Stirn aufgetragen wird. Jede Frau scheint ihr ganz eigenes ornamentales Muster zu haben, das sie in die ockerfarbene Paste malt, bevor diese antrocknet. Leider sieht sie auf so heller Haut wie meiner überhaupt nicht schön aus.

Als wir durch den Ortskern spazieren – Holzhütten, die auf Pfählen in die Mangroven gebaut wurden – spricht uns Ko Ye Naing an: Ob wir Lust auf eine Schnorchel- und Angelexkursion auf einem Fischerboot hätten. In anderen Ländern, wo man alle paar Meter eine Massage oder ein Tuktuk angeboten bekommt, hätten wir ihn womöglich genervt abgewimmelt. In Chaungtha Beach passiert es uns aber genau ein Mal, dass uns auf der Straße jemand anspricht, der etwas verkaufen will – und dann ist es auch noch etwas, worauf wir Lust haben.

Einen halben Tag lang tuckern wir auf einem schmalen Holzkahn, der mehr Einbaum als Boot ist, durch die Bucht. Zum Glück starten wir früh morgens, denn das Ding hat natürlich keine Überdachung. Mit an Bord ist noch Oleg, ein netter Ukrainer, außerdem Ko Ye Naing, der für uns übersetzt, denn Kyaw Swa, der Fischer, spricht kein Wort Englisch. Das Schnorcheln ist leider eine Enttäuschung: Die Sicht beträgt überraschenderweise nur ein paar Meter, die Unterwasserlandschaft ist eher öde und auch Fische sehe ich kaum. Dafür werden wir auf der kleinen Insel, wo wir einen kurzen Stopp einlegen, von hunderten winzigen Einsiedlerkrebse begrüßt, die über den Strand wuseln.

Als wir wieder ablegen und unsere Angeln ins Wasser halten, beißt auch fast sofort etwas an. Zumindest bei Kyaw Swa. Der hantiert geschickt mit dem Styroporklotz, an den er Angelschnur und zwei Haken befestigt hat und holt einen Fisch nach dem anderen heraus. Wir anderen verheddern uns erstmal beim Auswerfen und Einholen. Umso begeisterter begrüßen wir das erste bunte Schuppentier, das sich an unseren Haken verirrt. Da es auf dem Kahn natürlich auch keine Kühlung, geschweige denn Eis gibt, schöpft der Fischer einfach etwas Wasser auf den Boden und lässt unseren Fang darin schwimmen. Die Brühe hat zwar Badewannentemperatur, aber die Fische halten sich wacker.

Gegen Mittag machen wir wieder am kleinen Hafen von Chaungtha Beach fest. Wir sind so hungrig, dass wir beschließen, Schweiß und Salzkruste erstmal zu ignorieren. Auf zwei Taxi-Mopeds gequetscht, brausen wir alle Mann zu William’s Guesthouse, wo unsere Fang direkt für uns zubereitet wird: Die kleineren Fische werden im Ganzen gebraten, zwei große Exemplare gekocht, außerdem bekommen wir eine schön scharfe Fischsuppe und wie immer jede Menge Beilagen. Köstlich!

Danach ist es aber allerhöchste Zeit für eine Dusche und einen Mittagsschlaf.

Die restlichen Tage in Chaung Tha Beach verbringen wir mit süßem Nichtstun. In unserem Hostel gibt es die wohl fluffigsten, aromatischsten, süßesten, leckersten banana pancakes ganz Asiens, denen wir zum Frühstück einfach nicht widerstehen können. Wir probieren alle möglichen Sorten Fisch (schon mal Barracuda gegessen?). Trinken viel burmesischen Tee. Machen Strandspaziergänge.

Ein Mal leihe ich mir sogar einen Autoreifen und lasse mich damit ein bisschen auf den Wellen treiben. Dabei werde ich immer wieder kichernd von badenden Burmesen gegrüßt. Ob Omi, Mama mit Baby oder Jugendliche – jeder scheint wenigstens ein Mal „Mingalaba“ oder „Hello“ sagen zu wollen. Noch mehr im Rampenlicht stehe ich allerdings auf meinem Weg über den Strand ins Wasser. Und das, obwohl ich über meinen Bikini ein weites T-Shirt und eine Boxershorts vom Co-Jäger gezogen hatte. Ich glaube, ich wurde sogar fotografiert. Ob sich so wohl die erste Frau gefühlt hat, die jemals einen Mini-Rock trug, irgendwann in den 60er Jahren?

Unsere Tipps:

Shwe Ya Minn Guest House & Restaurant: einfache aber hübsche Zimmer und kleine Bungalows, gutes Essen, köstliche Pfannkuchen zum Frühstück. An der Hauptstraße gegenüber Belle Hotel, Tel. +95 (0)42 42126 oder +95 (0)42 42193.

William’s Guest House & Restaurant: gutes Restaurant, die Zimmer sollen auch ordentlich sein. An der Hauptstraße gelegen. Tel. +95 (0)9 49001912.

Ko Ye Naing hilft beim Organisieren von Ausflügen aller Art in und um Chaungtha Beach, zum Beispiel Angeln & Schnorcheln. yenain —ätttttt—- gmail punkt com.

Pathein: Auf dem Weg von Yangon nach Chaungtha Beach (oder zurück) lohnt sich ein Abstecher nach Pathein. Die Stadt liegt im Flussdelta und ist bekannt für die wunderschön bemalten Sonnenschirme. Man kann in den kleinen Läden zuschauen, wie sie von Hand gefertigt werden. Außerdem gibt es dort eine prächtige Pagode und einen großen Markt. Von hier verkehren auch Schiffe nach Yangon.

Weitere Episoden unserer Myanmar-Reise:

Myanmar_Karte_Legende

Einige Stationen unsere 4-wöchigen Roadtrips

Habt ihr euch schon mal gewünscht, ihr hättet Asien vor 30 Jahren erleben können – vor der Ankunft der Backpackerhorden? Wir definitiv. Und unser Wunsch ist in Erfüllung gegangen: in Myanmar! 2012 waren wir vier Wochen lang mit Bus, Zug, Schiff, Ruderboot, Pickup, Sammeltaxi, Fahrradrikscha und Propellermaschine im Land unterwegs, vom Delta des Irrawaddy bis hoch in die Berge nahe der chinesischen Grenze. Während wir dort waren, fand die erste (halbwegs) demokratische Wahl nach jahrzehntelanger Militärdiktatur statt, zu der Aung San Suu Kyi mit ihrer Partei antreten durfte. Wir erlebten die Aufbruchstimmung im Land und lernten wunderbare, hoffnungsvolle und mutige Menschen kennen, die genauso neugierig darauf waren, sich mit uns zu unterhalten, wie wir mit ihnen.
Unsere Reise ist jetzt vier Jahre her und die Zahl der Touristen hat sich seitdem vervielfacht. Investoren kaufen Häuser und Land, internationale Konzerne versuchen den Markt zu erobern. Trotzdem – oder gerade deshalb – würden wir sagen: Besucht Myanmar! Jetzt!

Einige unserer (kulinarischen) Reiseabenteuer erzählen wir in mehreren Episoden hier im Blog – die einzelnen Stationen seht ihr oben auf der Karte.

Wart ihr selbst schon in Myanmar? Vielleicht sogar schon lange vor uns? Seid ihr vielleicht Overlander und mit dem Bulli durchs Land gereist? Oder mit dem Fahrrad? Habt ihr einsame Ecken bereist, die kaum ein Tourist zu sehen bekommt? Oder kennt ihr den besten Street Food Stand  des Landes?

Erzählt uns davon – wir freuen uns auf eure Kommentare!

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