Coromandel: Geräucherte Grünlippenmuscheln

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Und plötzlich ist der Sommer da. Von einem strahlend blauen Himmel brennt die Sonne herunter, während wir auf sehr kurvigen Straßen auf die Halbinsel Coromandel herauf fahren. Grillen zirpen, wir rollen durch eine Allee aus Palmen und parken in Tairua neben einem Laternenmast, an dem riesige Flip Flops für irgend etwas werben, um uns ein Eis zu holen. Urlaubsstimmung liegt in der Luft und tatsächlich beginnen hier ja in wenigen Tagen die großen Ferien.

Es ist Sonntag, Markttag in Coroglen, einem winzigen Ort an der Ostküste der Halbinsel. Auch der Farmer’s Market ist klein, aber eine Reihe bunter Schilder am Straßenrand kündigen weithin sichtbar „Craft by the river“, Waffeln, Holzofenpizza, Fair Trade Kaffee und „Naked Ice“ an. Leider habe ich versäumt herauszufinden, was es mit Letzterem auf sich hat. Wir fahren so schwungvoll links ran, dass unser Bus fast in den Straßengraben kippt, damit ich „nur einen ganz kurzen Blick“ auf die Stände werfen kann.

Ein Piraten-Pantomime, der fürchterlich in seinem Outfit schwitzt, heißt die Marktbesucher vorne an der Straße willkommen. Hinter ihm eine Wiese, auf der bunte Stände dicht an dicht stehen. Es duftet nach BBQ und frisch Gebackenem. Am liebsten würde ich überall einmal schnabulieren und mich in Gespräche über selbstgekochte Marmelade und Imkerei und Biolandwirtschaft in Neuseeland verwickeln lassen (die „no spray“-Schilder an beinahe jedem Stand laden förmlich dazu ein). Aber heute geht das wirklich nicht: Unser Baby schläft im Bus und der steht mitsamt dem Papa in der prallen Sonne.

An einem Stand kann ich dann doch nicht vorbeigehen: Dort werden geräucherte, pikant eingelegte Grünlippenmuscheln verkauft und warten auf einem großen Probierteller nur darauf, von mir gekostet zu werden. Während ich die fleischigen Happen kaue, erst eine mit Knoblauch und Dill gewürzte, dann noch eine mit Chili und Zitronenblatt, erfahre ich, dass diese mit der Miesmuschel verwandte Art an den Küsten von Coromandel in großem Maßstab gezüchtet wird. Ich wusste bisher nur von Muschelfarmen in den Marlborough Sounds. Auch der Kaffir Lime Tree, dessen Blätter den Muscheln eine feine Säure geben, wächst auf der Halbinsel.

Das hier sei die neue Ernte, erklärt mir die Inhaberin des „Blackbeards smokehouse“, eine ausgewanderte Schweizerin, entschuldigend. In zwei Monaten seien die Muscheln noch ein Stück gewachsen. Ich finde die mundgerechten Portionen prima. Allerdings weiß ich von Warren, einem netten, älteren DoC-Mitarbeiter, mit dem wir gestern auf unserem Campground ins Gespräch gekommen sind, dass die Grünlippenmuscheln, die auf Coromandel auch immer noch wild vorkommen, früher noch viel größer waren. Seine in die Luft gehaltenen Finger markierten dabei etwa die Armlänge unseres Babys. „Really?!!“

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Du erwähnst Eis, das ihr euch gönnt…. Wie schmeckt Euch denn das typisch neuseeländisch/australische Hokey Pokey Eis?

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