Hummus nach israelischem Original-Rezept: Ich verrate euch, was ich beim Workshop in Jerusalem gelernt habe

Hummus selbst machen: In Jerusalem habe ich gelernt, wie's geht


Die ganze Welt will lernen, wie man original israelisches Hummus macht: Rastaman Vincente aus Italien, der jüdische Ingenieursstudent Thomas aus Polen, die hochschwangere Lauren aus dem mittleren Westen der USA mit ihrem Mann (die mich die ganze Zeit an die Flanders aus den Simpsons erinnern), der lässige Max aus Australien (obwohl er „keine Ahnung vom Kochen“ hat), sogar Jamie Lanister aus Game of Thrones (oder ein täuschend echter Doppelgänger) mit seinen beiden Kindern (die mit viel Spaß und Geschick bei der Sache sind). Und natürlich ich.

13 Leute sind wir insgesamt, die im Abraham Hostel in Jerusalem um einen langen Tisch herum sitzen und sich drauf freuen, unter Anleitung von Yoni etwas zuzubereiten, das anschließend hoffentlich lecker genug für unser Abendbrot ist. Vor uns stehen Schüsseln voller Kichererbsen (bereits gekocht, ich schnabuliere schnell ein paar) und Tahini (Sesampaste), Flaschen mit Olivenöl, Salzstreuer, Pfeffermühlen, da liegen Büschel frischer Petersilie, Knoblauchknollen und in einer großen Schale Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Zitronen. Es ist 19 Uhr. Um uns herum im großen Speisesaal wird bereits lautstark gegessen, gekocht und in allen möglichen Sprachen erzählt. Ich spüre, wie mein Magen knurrt. Das Begrüßungsbier, das ich als Gast an der Hostelbar bekommen habe und an dem ich bereits nippe, braucht dringend Gesellschaft.

Israelisches Hummus sei das Beste im gesamten Nahen Osten, behaupten manche. Yoni ist da etwas diplomatischer: Es gibt hunderte Arten Hummus zu machen, sagt er. Praktisch jede Familie habe ihre eigene, geringfügig andere Variante. Deshalb bekommen wir von ihm auch nur die Zutaten genannt, die klassischerweise hinein gehören, messen die Mengen dann pi mal Daumen so ab, wie er es uns vormacht, und schmecken nach unseren eigenen Vorlieben ab. Wer es säuerlich mag, nimmt mehr Zitrone, wer Tahini liebt, mehr davon, usw.

Wir haben vorschnell gerührt. Eigentlich sollen erst mal alle Zutaten in die Schüssel

Wir haben vorschnell gerührt. Eigentlich sollen erst mal alle Zutaten in die Schüssel

Die folgenden Angaben sind daher nur als grober Richtwert zu verstehen. Die Menge reicht mit Fladenbrot für etwa 4 Personen.

  • 400 g gekochte Kichererbsen. Die gibt es entweder bereits weich in der Konservenbüchse. Oder man kauft sie trocken, dann müssen sie 24-48 Stunden einweichen und weitere 4 Stunden kochen. Die richtige Konsistenz haben sie, wenn sie sich mit den Fingern leicht zusammendrücken lassen.
  • 50g Tahini, am besten rohes
  • 0,2 l Olivenöl von möglichst hoher Qualität
  • Saft von 2 Zitronen
  • 3 Zehen Knoblauch, ganz fein gehackt
  • ein kleiner Bund frische Petersilie, ebenfalls ganz fein gehackt
  • Salz, Pfeffer

Die Zwiebeln, Tomaten und Gurken auf unserem Tisch gehören übrigens nicht ins Hummus. Daraus machen wir einen Salat, der laut Yoni ein Herzstück der israelischen Küche ist und dessen perfekte Zubereitung entsprechend der Stolz jeder Familie. Ich weiß nicht, ob das stimmt, denn es war ein sehr lustiger Abend und nicht alles, was gesagt wurde, ernst gemeint. Oder glaubt hier etwa jemand, dass „Chick Peas“ so heißen, weil „chicks“ (Küken bzw. Mädchen) sie gerne essen? Falls jemand die richtige Antwort kennt oder weiß, warum sie auf Deutsch Kichererbsen heißen: Bitte unten in die Kommentare schreiben! Ich würde es gerne erfahren. Wir haben die Zutaten für den Salat jedenfalls einfach in sehr feine Würfel geschnitten und mit etwas Salz, Pfeffer und Olivenöl abgeschmeckt. Hat super geschmeckt.

Rühren, rühren, rühren, bis das Hummus seidig-glatt ist

Rühren, rühren, rühren, bis das Hummus seidig-glatt ist

Aber zurück zum Hummus!

Wir bilden Zweier-Teams und ich stelle fest, dass Thomas neben mir, der angehende Ingenieur aus Polen, nicht nur gerne kocht, sondern in den Semesterferien auch schon in einigen Profi-Küchen gejobbt hat. Er hat so manchen Trick auf Lager. Zum Beispiel, dass sich Knoblauchzehen superleicht pellen lassen, wenn man einmal fest mit der Seite des Messers drauf drückt. Wahnsinn. Wie viel Lebenszeit ich hätte sparen können, wenn ich das mal schon früher gewusst hätte. Er hackt außerdem schnell wie der Blitz Petersilie und Zwiebeln. Teamgeist hat er aber auch. Wir wechseln uns schön ab mit dem Schneiden, Pellen, Hacken und Rühren.

Alle Zutaten kommen in eine große Schüssel und dann rühren und stampfen wir mit unseren Schneebesen so lange darin herum, bis Yoni, der herum geht und uns über die Schulter schaut, mit der Konsistenz zufrieden ist. Ehrlich gesagt: Ich glaube, es gab einfach nicht genug Steckdosen und/oder Pürierstäbe für uns alle. Andererseits: Es geht doch nichts über einen schön definierten Bi- und Trizeps. Entscheidet einfach selbst, wie viel Zeit und Energie ihr habt, wenn ihr dieses Rezept ausprobiert. Das Ergebnis sollte jedenfalls seidig-glatt sein.

Wobei…. Natürlich gibt es auch hier die unterschiedlichsten Varianten. In der einen Woche, die ich in Israel war, habe ich etwa drei, vier Mal Hummus gegessen und es war auch grob gerührter mit deutlich spürbaren Kichererbsen-Stückchen darunter. Also: Macht einfach so, wie es euch am besten schmeckt.

Zum Hummus passt phantastisch ein frischer Gurken-Tomaten-Zwiebel-Salat

Zum Hummus passt phantastisch ein frischer Gurken-Tomaten-Zwiebel-Salat

Angerichtet wird das Hummus auf einem flachen Teller. Ihr schaufelt zuerst eure Wunschmenge darauf und arbeitet dann mit der Rückseite eines Esslöffels und mit hin- und herstreichenden Bewegungen eine flache Kuhle in die Mitte. Da hinein gebt ihr ein paar übrig behaltene ganze Kichererbsen oder auch Bohnen („Ful“), beträufelt das Ganze dann nochmals mit Olivenöl und streut gehackte Petersilie darüber.

Wir haben etwa zwei Stunden für die Zubereitung gebraucht. Allerdings haben wir uns auch nicht sonderlich beeilt und zwischendurch immer wieder Yoni zugeschaut und zugehört, der die einzelnen Arbeitsschritte erklärt hat.

Geschmeckt hat mein erstes selbst gemachtes Hummus SEN-SA-TIO-NELL. Glücklich schaufelten wir 13 uns anschließend das Kichererbsenpürree mit Fladenbrotstücken in den Mund.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich allerdings noch nicht bei Hummus Said in Akko gegessen, wo es das vermeintlich beste des Landes gibt. Und auch nicht in dem unscheinbaren kleinen Imbiss in Tel Aviv gegenüber dem Hatikva Markt, ein Zufallfund mit seeeeehr gutem Hummus. In beiden Läden wird es nämlich LAUWARM serviert. DAS ist nochmal drei Glückseligkeitsstufen leckerer. Mmmmmmmmmmmh. Ich kriege sofort wieder Appetit.

Der Hummus-Workshop findet jeden Montagabend ab 19 Uhr im Abraham Hostel in Jerusalem statt und kostet 45 Schekel (ca. 11 Euro). Ich fand den Preis äußerst fair, zumal die Portion, die man herstellt, noch dazu locker als Abendessen reicht. Ich habe vom Workshop erst beim Check In am selben Tag erfahren und noch einen Platz bekommen, darauf solltet ihr euch aber nicht verlassen. Hier gibt’s auch noch ein Video vom Workshop, allerdings von einem anderen Tag und auch nicht mit Yoni (prompt sieht das Ergebnis in den Schüsseln ein bisschen anders aus). Den Raki am Ende hatte ich glatt vergessen 😀 

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7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich liebe Hummus! Bei uns macht Martin das, weil er es von unseren syrischen Freunden gelernt hat, und das macht einen ja gleich viel mehr zum Experten, als einfach nach einem Rezept zu kochen. 🙂 Deshalb finde ich den Workshop im Hostel auch eine wirklich tolle Idee!

    Liebe Grüße!

  2. @Lena
    Von Freunden lernen ist natürlich noch toller! Der Workshop hat aber auch echt Spaß gemacht, grade wegen der Teilnehmer aus aller Welt.

  3. Wissen macht Aah: Die Römer sind Schuld. Sie brachten die Planze (lat. Cicer, gesprochen Kiker) nach Europa. Daraus leiten sich sowohl Kicher, Chick und Chiche (fr) ab 🎓

    Ich liebe Hummus. Es ist typisch für die Region. Und ertappte mich dabei, persönlich beleidigt zu sein, das israelische als das beste Hummus präsentiert zu bekommen. Wie fällt denn der Vergleich mit einem Hummus in Ramallah aus? Gibt es signifikante Unterschiede – oder zeigen sich hier sogar „verbindende“ Parallelen?

  4. Aha! Danke Michael! Die wirklich wichtigen Dinge habe ich im Lateinunterricht natürlich nicht gelernt ;-p Und was das Prädikat „das Beste“ angeht: Alleine bei mir im Kiez gibt es 4 „beste Burgerläden“ von ganz Berlin. Ähm, ja. Ich bin mir allerdings ganz sicher, dass meine Mutter die besten Semmelknödel der Welt macht!

  5. In das original Hummus kommt keine Petersilie rein. Auch kein Koriander.
    Nicht immer so leicht beeindrucken lassen.

  6. Liebe Julia, wir fühlen uns geehrt, dass die Hüterin des einzig wahren, ORIGINAL Hummus-Rezeptes bei uns im Blog vorbei schaut 😉

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