Taroudannt: Wo wir entdeckten, dass Datteln viel mehr als nur pappsüße Plombenreißer sind

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In Berlin-Kreuzberg ist es nicht allzu schwierig, Datteln aufzutreiben, und im benachbarten Neukölln schon gar nicht. In unserer Nachbarschaft gibt es eine ganze Reihe türkischer und arabischer Geschäfte, und so habe ich mir schon hin und wieder welche gekauft – und fand sie sogar ganz lecker. Ein bisschen trocken und bissfest waren sie zwar schon, was vermutlich an der Vakuumverpackung lag. Und ganz schön zuckrig. Aber ich kannte sie ja nichts anders.

In Marokko besuchten wir Oasen, die so märchenhaft aussahen, wie ich mir das immer ausgemalt hatte, und in denen auch Dattelpalmen wuchsen. Auf den Märkten lagen die Früchte bergeweise auf den Tischen der Verkäufer. Das Angebot war je nach Ort oder Stadt unterschiedlich groß, manchmal gab es nur zwei oder drei Sorten. Aber selbst die waren so unterschiedlich, dass sie die Vielfalt erahnen ließen.

In Taroudannt gingen uns dann die Augen über:

Ein ganzer Bereich im Souk war Ständen vorbehalten, an denen nur Datteln verkauft wurden. Ein Dutzend Sorten oder noch mehr. Gestikulierend und voller Vorfreude ließen wir uns von allem etwas einpacken. Dann setzten wir uns auf die Dachterrasse unseres Hostels und verkosteten unsere Ausbeute. Schon optisch glich nicht eine Frucht der anderen. Bisher kannte ich nur die längliche, rotbraune Variante – hier gab es auch kürzere und fast runde Exemplare, deren Haut mal beinahe glatt, mal leicht eingedellt, mal richtig runzlig war. Ihre Farbe reichte von einem hellen Bernsteinton über kamel- und erdfarben bis zu einem Kaffeebohnen-Schwarzbraun und war teils durchscheinend, teils matt.

Und dann erst der Geschmack! Süß sind auch die marokkanischen Datteln, aber auf eine vielschichtigere Art und Weise. Ich habe gelesen, dass sie dort nicht gezuckert werden, sondern einfach getrocknet und dabei ihre natürliche Süße behalten. Wir schmeckten Hasel- und Walnussnoten und einmal sogar einen Hauch von Likör (uiuiui). Manche schmolzen regelrecht auf unseren Zungen, andere waren cremig, gelatinös oder auch bissfest und bei einer Sorte löste sich die Haut wie ein zart-knuspriger Blätterteig.

Nach dieser Verkostung werden wir die hier erhältliche, eingeschweißte B-Ware wohl nie wieder herunter bekommen. Leider haben wir es versäumt, uns einen Vorrat mitzubringen. Die größte Auswahl gab es nämlich im Souk von Taroudannt, was wir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wussten, denn unser Reiseführer behauptete, die besten Früchte würden im Drâa-Tal geerntet. Als wir dort jedoch ankamen, war das Angebot ziemlich, nun ja, überschaubar. Und als ich auf dem Markt von Agdz an einen der Verkaufsstände herantrat, wurde mir als erstes wortreich eine Packung eingeschweißter Datteln angeboten.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. In Berlin habe ich per Zufall die besten Datteln auf einer saudischen Tourismuswerbung im Sony-Center gegessen. Die beiden Herren (Scheichs?) waren ganz verblüfft, als wir sie um eine Dattelprobe vom aufgebauten Sortiment baten.
    Anschließend haben wir reichlich Dattelnd mitnehmen dürfen, denn plötzlich war das „Eis gebrochen“, denn auch andere Besucher wollten jetzt verkosten!
    Leider gibt es diese Datteln nicht in Berlin im Laden zu kaufen.

  2. Die bekannten trockenen eingeschweißten Exemplare gibt es in Deutschland ja durchs ganze Jahr. In der „Hochsaison“ – hat es was mit den Geschenken der Heiligen Drei Könige zu tun? – vor Weihnachten gibt es in Oldenburg einen arabischen Minimarkt, bei dem es sowohl frische Datteln als auch super leckere ungesüsst getrocknete gibt.

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