Warum sind Neuseeländer süchtig nach Pommes?

"Meins! Meins" Meins!"


Diese Frage stammt nicht etwa von mir, sondern vom neuseeländischen Zentralorgan stuff.co.nz, das dem schockierenden Tatbestand letzte Woche nachging. Sieben Millionen Portionen sollen in dem viereinhalb-Millionen-Einwohner-Land jede Woche über die Tresen gehen. „Zwei Leitartikel über Pommes. Mein Freitagabend ist perfekt“, kommentierte ein Leser, während eine Frau schrieb, haha wie lustig, sie habe gerade ihren Sohn zum Imbiss geschickt, um Pommes fürs Mittagessen zu holen, lol. Entzündet hat sich die Diskussion offenbar daran, dass ein Café-Bistro in Palmerston North sich gezwungen sah, Pommes mit auf die Karte zu nehmen – als einziges „ungesundes“ Essen neben Salaten, Gemüseeintöpfen und Sauerteigsandwiches (nicht einmal Toastbrot bekommt man dort!). Promi-Köchin Nadia Lim erklärte stuff daraufhin, Fritten seien die Quintessenz des „kiwi comfort food“, während Kollege Brett McGregor sogar so weit ging zu behaupten, für die Neuseeländer gehöre alles Frittierte in diese Kategorie.

Aber mal ganz ehrlich, die Frage lautet doch eher: Wer liebt Pommes NICHT? Perfekt gebackene Kartoffelstängel, außen schön kross, innen mürbe-weich, auch das letzte bisschen Erdapfelaroma durch eine ordentliche Portion Geschmacksträger, sprich: Fett, herausgekitzelt, verfeinert mit genau der richtigen Menge Salz (und wenn es nach mir geht: einem Spritzer Essig) – wie kann man so etwas nicht mögen?! Störend ist nur das schlechte Gewissen, das „Kalorienbombe! Fettfalle! Low-Carb-Killer!“ höhnt, während man sich knusper-knusper-knusper die Fritten einverleibt. Dabei sind sie gar kein Teufelszeug, wenn sie nicht gerade in altem Billigfett frittiert wurden und man sie in Maßen genießt.


Promi-Köchin Lim schwärmte stuff außerdem von den tollen Knollen vor, die in Neuseeland wachsen: „Kiwis lieben Kartoffeln!“ – Echt?!, habe ich mich beim Lesen gefragt. Ist das nicht eigentlich etwas, das man uns Deutschen nachsagt? Oder wieso nennt man uns sonst hämisch „Kartoffelfresser“? Und warum sind eigentlich nicht wir auf die Idee gekommen, die mehlige Sättigungsbeilage zur Abwechslung mal nicht in Bratensauce zu ertränken, sondern kreativ mit ihrer Form und Konsistenz zu spielen? Wobei in Bratensauce ertränkte Pommes wiederum auch ihren Reiz haben, wie jeder Franko-Kanadier bestätigen kann, vor allem wenn man auch noch Schmelzkäse über die Chose gibt. Ich sag nur: Poutine! Aber das ist eine andere Geschichte … Für die Pommes hingegen scheinen mal wieder unsere französischen Nachbarn, die kulinarischen Götter, verantwortlich. Oder warum heißen sie sonst in den USA, der Achse der Fritteusen, „french fries“?

Böser Irrtum! „Pommes frites“ ist zwar französisch für „frittierte Kartoffeln“, erfunden wurde der Fast Food Klassiker der Moderne jedoch von Belgiern! Und zwar schon im 17. Jahrhundert, aus der Not heraus: Normalerweise brieten die armen Leute in der Gegend rund um die Maas kleine Fische in Fett aus, aber wenn der Frost kam und die Gewässer zufroren, behalfen sie sich mit klein geschnittenen Kartoffeln, die sie braun und knusprig brutzelten. Damit waren die Belgier nicht nur erfinderischer, sondern auch mutiger als andere europäische Völker, die die aus Südamerika eingeführte Pflanze erst sehr viel später in ihren Speiseplan aufnahmen (hierzulande sorgte Friedrich der Große Mitte des 18. Jahrhunderts dafür). Es gibt ein historisches Dokument, welches die belgische Frittier-Geschichte belegt – und damit den jahrelangen Streit mit Frankreich über die Urheberschaft dieser genialen Erfindung beendete.

Unser Fritten-Fazit nach sieben Monaten Neuseeland ist allerdings eher ernüchternd: Wir sind zwar in null-komma-nix den einheimischen Pies verfallen, die Pommes überzeugten uns jedoch nicht. Und dabei haben wir ihnen durchaus mehr als nur eine zweite Chance gegeben, denn in einem hatte stuff dann doch Recht: Egal ob Imbiss oder schickes Restaurant, ohne Pommes auf der Karte geht es einfach nicht. Selbst die weltberühmten und womöglich sogar weltbesten Austern aus Bluff bekommt man in Neuseeland mit Beilagen-Pommes. Wer das schockierend findet, sollte den nächsten Satz besser nicht lesen. Die Austern waren ebenfalls frittiert.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. An den frittierten Austern hab ich mir mörderisch den Mund verbrannt 😉

    Aber mal ganz ehrlich: Ihr findet die french fries nicht oberhammergeil? Ich könnte die jeden Tag essen… (und würde dann wohl schnell aussehen wie Peter Jackson…)

    LG
    Jenny

  2. Vielleicht hatten wir einfach viel Pech, aber wir hatten einige Male labbrige oder ranzige Fritten. Uärks. Und 10$ für eine „große“ Portion finde ich auch ziemlich frech…
    In dem Stuff-Artikel kommentierte auch jemand, seit wann denn neuseeländische Pommes so amerikanisiert „hot chips“ hießen. Es gibt rund um die Fritten offenbar allerhand Klärungsbedarf 😀

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