Yangon, Myanmar: Gold, Diamanten und ein opulentes Mahl

Schwedagon Pagode: Die Jäger des verlorenen Schmatzes in Yangon

Es ist fünf Uhr morgens. Die Nacht ist noch samtig schwarz und warm, als wir vor die Tür unseres Hostels in der Innenstadt von Yangon treten. Zwei Hunde stromern die Gasse hinunter, ein Mann fegt mit einem Reisigbesen, ein anderer schläft auf seiner Fahrradrikscha. Die eisernen Rolläden der Geschäfte, die sich im Erdgeschoss der schmalen, hohen Kolonialbauten mit den bröckelnden Fassaden befinden, sind noch herunter gelassen. Auch die Männer mit den dicken Geldpacken in der Hand, die uns gestern, direkt nach unserer Ankunft, einen besonders guten Wechselkurs für unsere nagelneuen Dollarscheine versprachen, sind noch nicht wieder auf ihrem Posten.

Ein Taxi bekommen wir vorne, an der Hauptstraße, trotzdem mühelos und auch „Schwedagon Pagode“ wird sofort verstanden. Natürlich: Es ist der Name des größten und wichtigsten Heiligtums des Landes – und einer der prächtigsten buddhistischen Tempel der Welt. Acht Haare Buddas sind der Legende nach in das Fundament der zentralen goldenen Stupa eingebaut, die über die Jahrhunderte durch Spenden von Gläubigen auf 98 Meter Höhe und geschätzte 150 Tonnen angewachsen ist – davon fast 10 Tonnen pures Gold und mehrere tausend Edelsteine.

Ein guter Ort, um unsere Reise durch Myanmar zu beginnen.

Über mehrspurige, nahezu ausgestorbene Boulevards fahren wir durch die Stadt und halten schließlich auf ein goldenes Leuchten zu. Als wir die Pagode erreichen, färbt sich der Nachthimmel gerade königsblau. Barfuß betreten wir die Pilgerstätte durch ein Tor und bleiben mit offenem Mund stehen: Wir befinden uns in einer Kulisse aus funkelndem, purem Gold, angestrahlt durch unzählige Scheinwerfer und überdacht von einem Himmel, dessen Blau zu leuchten scheint.

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Der kulinarische Einbürgerungstest: Wie viel Kiwi steckt in euch?

Kiwi-Klassiker: Watties Spaghetti aus der Dose


Eine Theorie besagt, dass es in jedem Land mindestens eine Speise gibt, welche alle Menschen, die nicht dort aufgewachsen sind, sofort in die Flucht schlägt. Oder die Fremde zumindest äußerst seltsam und unappetitlich finden. Für die Einheimischen hingegen ist sie eine Leckerei. Etwas, das sofort Heimatgefühle weckt, wenn man selbst vielleicht gerade in einem anderen Teil der Welt unterwegs ist.

Früher schützten diese „Delikatessen“ (laut der Theorie) die Sippe, weil jeder potenzielle Feind von außen sofort enttarnt wurde, sobald man sie ihm auf den Teller legte oder ein Glas davon eingoss. Und heute? Geistern sie auf so vielen Selfies, Food Blogs und Youtube-Videos durchs Netz, dass man auf Reisen immer seltener wirklich überrascht wird. Schade eigentlich.

Aber eines sind solche landestypischen Spezialitäten immer noch: identitätsstiftend. Wenn ich an Deutschland denke, fällt mir zum Beispiel sofort gutes Brot ein. Was haben wir uns danach gesehnt während unseres Roadtrips durch Neuseeland…

Und wie ist es umgekehrt? Welche typisch neuseeländischen Delikatessen habt ihr in NZ lieben gelernt und überlegt schon verzweifelt, wie ihr sie hier, am anderen Ende der Welt, beschaffen könnt? Welche kiwiana lassen euch schaudern, wenn ihr nur daran denkt?

Macht mit uns den kulinarischen Einwanderungstest: Wie viel Kiwi steckt in euch?

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Rezension: „Toast. The Cookbook“

Das Kochbuch "Toast" samt grünem Spargel für eines der Rezepte


Ein Buch „Toast“ zu betiteln und es ausschließlich dem Belegen gerösteten Brotes zu widmen, finde ich ganz schön mutig. Hierzulande hat Toastbrot nicht unbedingt den besten Ruf, um es mal vorsichtig auszudrücken. Die Zeiten, in denen „Toast Hawai“ als exotische Delikatesse galt, sind lange her. Der Titel machte mich aber auch neugierig. Sehr sogar. Schließlich verbindet uns mit Toast eine gewisse Vorgeschichte. Und in unserer Heimatstadt feiern belegte Brote (von Urberlinern „Stulle mit Brot“ genannt) gerade ein Revival.

Als ich das Kochbuch dann in Händen hielt, war ich sehr positiv überrascht: Es ist ein Hardcover, edles Papier, schönes Layout, jedes Rezept mit einem äußerst appetitlichen Foto bebildert.

[Die folgenden Fotos und das Titelbild haben wir selbst in der Jäger-Versuchsküche aufgenommen!]

Mein erster Irrtum klärte sich bereits im Intro des Buches auf: Die US-Amerikanische Autorin Raquel Pelzel meint mit Toast nicht das knautschbare, kastenförmige, vorgeschnittene Weißbrot aus der Plastiktüte, das wir hierzulande mit diesem Begriff verbinden, sondern schreibt: „Remember that the better the bread, the better the toast, so search out a quality bakery or market where the bread is kneaded and baked with care, and sold fresh“. In vielen Rezepten empfiehlt sie explizit ein rustic country-style Brot.

So weit, so einverstanden.

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„Ein neuseeländischer Bäcker wird daran gemessen, wie weich er sein Brot bekommt“

Auslage in einer Bäckerei in Oamaru

Das artisan bread auf diesem Foto ist nicht schaumstoffmatratzen-weich

Wenn ihr unseren Blogpost aus der Brot-Wüste gelesen habt und euch vielleicht dachtet: „Mann Mann Mann, das geht ja wild zu in Neuseelands Bäckereien“, dann haben wir jetzt ein Schmankerl für euch. Bäckermeister Peter Friese hat uns eine sehr nette Mail geschrieben und ein paar Anekdoten von seinen Neuseelandreisen erzählt, auf denen er in so manche Backstube geschaut hat. Das wollten wir natürlich genauer wissen und haben ihn zum Interview gebeten:

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Bäckermeister Friese

Herr Friese, Sie haben in Deutschland Ihr Bäckerhandwerk gelernt. Hatten Sie denn vor Ihrer ersten Neuseelandreise eine Ahnung, was dort in den Bäckereien verkauft wird?

Das Brot wurde uns im Vorfeld als „sehr gewöhnungsbedürftig“ beschrieben. Dem hatten wir nicht so viel Bedeutung beigemessen, da sich die Menschen  dort ja schon viele Jahrzehnte von diesem Brot ernähren.

Wie oft waren Sie schon in Neuseeland?

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Good News: Die LeihSämerei in Berlin

Mich machen Meldungen von Saatgutmonopolen a la Monsanto immer sehr wütend, denn ich finde, die Entscheidung darüber, was wir auch künftig essen können, sollte nicht in der Hand einiger weniger liegen! Deshalb will ich heute mal eine gute Nachricht teilen: In Berlin gibt es seit vergangenem Jahr eine LeihSämerei (Saatgutbibliothek)! Jeder darf hier Saatgut für den Eigenanbau entnehmen und nach der Ernte auch gerne überschüssiges Saatgut zurückbringen, um es anderen zur Verfügung zu stellen. Außerdem bietet die „Grüne Bibliothek“ Nachschlagewerke rund ums ökologische Gärtnern.

Sie befindet sich in der Lützowstraße 27, Berlin-Tiergarten und ist Mo, Di, Do und Fr 12:30-18 Uhr geöffnet. Do von 13-18 Uhr ist außerdem fachliche Hilfe vor Ort. Mehr dazu im Blog von wachsenlassen, die die Leihsämerei initiiert haben.

Brot-Wüste revisited: Wir haben unsere Liste guter Bäcker in Neuseeland komplett überarbeitet

Brot in der Wüste


Es gibt eigentlich nur eine Sache, die wir Deutschen (die wir ja sonst so gerne meckern…) an Neuseeland auszusetzen haben. Naja, vielleicht auch zwei. Die eine ist jedenfalls die fast gänzliche Abwesenheit von gutem Brot. Wer mit Sauerteigbrot mit anständiger Kruste aufgewachsen ist, für den ist Toastbrot bestenfalls eine Notlösung. Mit Betonung auf Not. Zumindest wenn die Lösung länger als ein paar Tage herhalten muss.

Auch unser siebenmonatiger Roadtrip durch Neuseeland wurde zur detektivischen Suche nach real bread. Unser ironischer Erfahrungsbericht zum Ende unserer Reise – „Die Brot-Wüste lebt“ – samt Liste unserer akribisch notierten Bäcker-Adressen ist einer der meist gelesenen und kommentierten dieses Blogs.

Weil der Artikel schon zwei Jahre alt ist, habe wir ihn jetzt komplett überarbeitet: Wir haben alle eure Hinweise mit aufgenommen (vielen Dank für die Unterstützung!) und die Liste nach Regionen, statt wie vorher alphabetisch nach Städten sortiert, damit auch Neuseeland-Neulinge schnell fündig werden (danke, Pascal, für den Hinweis!). Sie umfasst jetzt 46 Adressen im ganzen Land.

Und wer sich fragt, was denn die zweite Sache ist, die es an Godzone auszusetzen gibt, der ist dort wohl noch nie Auto gefahren

Hier geht’s zur Brot-Wüste Teil 1 samt überarbeiteter Bäckereien-Liste. Über aktuelle Hinweise von euch freuen wir uns natürlich weiterhin!

Und wenn ihr wissen möchtet, was das neuseeländische Brot eigentlich so weich macht und warum Laugengebäck dort so selten wie ein Goldnugget ist: Wir bereiten gerade ein Interview mit einem deutschen Bäckermeister vor, der auf seinen Neuseelandreisen in so manche Backstube geschaut hat und uns die Sache fachmännisch erklärt. Wir haben gestaunt!

Ceviche: Wie schmeckt das peruanische Nationalgericht in Berlin?

Cevicheria in Berlin-Kreuzberg


Manche nennen Ceviche – sprich [seh-wi-tsche] – das „peruanische Sushi“. Aber obwohl auch bei dem peruanischen Nationalgericht roher Fisch die Hauptrolle spielt, ist das nicht ganz korrekt — die Fischhappen sind bei Ceviche nämlich nicht mehr roh, sondern wurden in Limettensaft kalt gegart. Das heißt: Die Säure der Limette lässt das Eiweiß des Fisches gerinnen, dadurch wird das Fleisch fester. Der ausgetretene Fischsaft färbt sich dabei weiß, das wird dann Tigermilch genannt.

Wir lieben Sushi. Außerdem sind wir extrem neugierig was neues, also: uns unbekanntes, Essen angeht. Seit wir davon gehört hatten, dass in Kreuzberg eine Cevicheria eröffnet hat, wollten wir da mal hin. Hat dann leider doch etwas länger gedauert. Aber jetzt!

An einem Freitag, 18:30 Uhr: Obwohl es noch früh ist (wir wollen anschließend ins Kino), ist das kleine Restaurant gut besucht. Zum Glück haben wir reserviert. Wir werden sehr freundlich und mit einem charmanten spanischen Akzent begrüßt.

Die Karte ist überschaubar. Als Hauptspeise gibt es drei Sorten Ceviche (Fisch, Thunfisch, Fisch & Meeresfrüchte), gegrillter Pulpoarm und ein vegetarisches Gericht. Außerdem fünf Vorspeisen, die allesamt so verlockend klingen, dass wir unseren Plan, heute Abend Ceviche und nichts als Ceviche zu probieren, kurzerhand über den Haufen werfen.

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Weltneuheit in Invercargill vorgestellt: Bluff Oyster-Eis mit knusprigem Lamm-Bacon

Eiswaffel mit Speck ummantelten Bluff Oysters


In Neuseelands Eis-Hauptstadt Invercargill wurde heute eine Weltneuheit vorgestellt: Bluff Oyster-Eis umhüllt mit knusprigem Lamm-Bacon! „Wir haben die besten Zutaten genommen, die unsere Region zu bieten hat, und daraus ein Eis entwickelt, das im Sommer genau so gut schmeckt wie im Winter“, erklärte John Goodwill der versammelten neuseeländischen Presse stolz, während er Waffeln mit einer Probierkugel verteilte. „Ich meine: Wer liebt knusprigen Bacon und die besten Austern der Welt nicht nicht?!“

Während die extra aus Auckland, Wellington, Palmerston North und Nelson eingeflogenen Journalisten noch zögerten und ihre Waffeln unschlüssig in den Händen hin und her drehten, zeigten die Kollegen der Otago Daily Times und der Southland Times, was ein waschechter Kiwi ist. Groß war jedoch ihr Erstaunen, als der knusprige Schinken und die Austern auf ihren Zungen schmolzen.

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Pie-Premiere: So gelingt er euch garantiert!

20160327_titel_Oster-Pie


Wer diesen Blog schon längere Zeit liest, weiß, dass wir neuseeländischem Comfort Food in der Gestalt von Pies einfach nicht widerstehen können. Auch wenn sie vom Warmhaltegrill in der Tankstelle stammen. Um unserer Sucht auch zuhause in Deutschland weiterhin frönen zu können, haben wir uns in Neuseeland sogar mit original Backförmchen eingedeckt. Auf denen sich allerdings nach der allerersten Benutzung ein hässliches Rostfleckenmuster entwickelte – vielleicht waren es Wutpusteln, weil wir gar keine Pies darin gebacken hatten?

Wir haben uns nämlich trotz diverser neuseeländischer Kochbücher bisher nicht rangewagt …

Aber jetzt, endlich! Und er hat so gut geschmeckt! Deshalb verraten wir euch hier, wie auch blutigen Anfängern auf Anhieb ein 1a Pie gelingt! Weiterlesen

Frohe Ostern

Als wir bei stuff.co.nz dieses Rezept (> klick!) für einen Pie mit Lamm und Erbsen entdeckten, gab es kein Halten mehr, denn es erfüllt gleich drei Wünsche auf einmal: 1. Es ist österlich 2. aus Neuseeland und 3. ein Pie! Damit werden wir am Ostersonntag ein klitzekleines bisschen unseren Appetit auf das schönste Ende der Welt stillen.

Und was kommt bei euch an Ostern auf den Tisch? Wenn ihr noch eine Hand frei habt, um ein Foto zu machen, dann postet es doch hier oder auf der Jäger-Facebookseite.

Schöne Feiertage, wo auch immer ihr sie verbringt!